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David Josef Bach - Chronologie

13.8.1874 geboren in Lemberg, jüdischer Herkunft,  Sohn von Eduard Bach (Hutmacher in Wien) und Henriette Bach, geb. Nelken.
Volksschule und Gymnasium in Wien II.

1892 Matura mit Auszeichnung.

„David Bach kam früh mit dem marxistischen Sozialismus in Berührung und lernte Victor Adler schon als Gymnasiast kennen. Aber sein Interesse für Musik war noch stärker. es führt ihn mit dem gleichaltrigen Arnold Schönberg zusammen“ (Kotlan-Werner 1977, 12. zitiert nach Mühlleitner 1992, 29)

Studium der Philologie an der Universität Wien. Vorlesungen bei Ernst Mach und Ludwig Boltzmann.

1897 Promotion. Dissertation über „Das Problem der Außenwelt bei Hume“.

Danach freier Journalist und Schriftsteller (Die Zeit, Neue Freie Presse, Arbeiterzeitung).

1906 Ehe mit Gisella Cohn.

1906 Bach wird von Adler in die  Psychologische Mittwoch-Gesellschaft eingeführt, die er  mit Adler im Gefolge der Freud-Adler-Kontorverse im Sommer 1911 wieder verlässt.

Aus den Protokollen der Mittwoch-Gesellschaft:

Im ersten erhaltenen Protokoll vom 10. Oktober 1906 wird er in der Mitgliederliste vom 3. Oktober 1906 geführt.

Seine Adresse ist mit „VII. Wimbergergasse 7“ angegeben. Durchgestrichen ist „XIII./5 Hüttelbergstr. 61“. (Nunberg, Federn 1976, 1ff)

Am 24. Oktober 1906 wird er als anwesend geführt und eine lange Diskussionsbemerkung zu Ranks Vortrag „Das Inzestdrama“ ist protokolliert. (27)

Erst am 5. Dezember 1906 ist Bach wieder anwesend. (Es findet sich in den Protokollen kein Diskussionsbeitrag von ihm.) (66)

Am 23. Jänner 1907 lesen wir, dass Bach einen Vortrag angemeldet hatte: „Jean Paul und Schumann“. (77)

Am 20. Februar war Bach anwesend, als Freud über Möbius „Die Hoffungslosigkeit aller Psychologie“ sprach. (113f) (Es findet sich in den Protokollen kein Diskussionsbeitrag von Bach.)

Erst am 10. April findet sich Bach wieder auf der Anwesenheitsliste. (150) Wittels trug über „Tatjana Leontiew“ vor, Bach diskutierte. (153)
Am 17. April 1907 hielt Bach einen Vortrag über Jean Paul. (157-161)
„Es war ihm um den Versuch zu tun, die Form der Jean Paulschen Arbeiten aus seiner psychischen Veranlagung zu erklären.“ (161)
Bach wird weiter in der Mitgliederliste geführt, erschien aber erst wieder am 8. April 1908.
 
Im Protokoll findet sich von ihm eine Erwähnung eines Artikels von Wilhelm Fließ. (343)

Am 22. April 1908 war Bach in der Mittwoch-Gesellschaft, die sich eine Woche vorher als Wiener Psychoanalytische Vereinigung konstituiert hatte, anwesend.

27. April 1908 Teilnahme an der ersten internationalen psychoanalytischen  Zusammenkunft in Salzburg vom 26. - 27. April 1908.

Am 13. Mai 1908  findet sich Bach noch einmal auf der Anwesenheitsliste.

Am 15. Oktober besucht er nochmals einen Begrüßungsabend im Hotel Residenz.

Im Sommer 1911 erklärt er im Gefolge der Kontroversen zwischen Freud und Adler seinen Austritt aus der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung.

Am 11. Oktober 1911 ist in den Protokollen zu lesen: „Prof. Freud gibt hierauf bekannt, dass seit der letzten Vereinssitzung folgende Mitglieder ausgetreten seien: Dr. Adler, Dr. Bach, Dr. Maday und Dr. Baron Hye.“ (271)
 
„Wenn Bachs Austritt mit Adler einen Protest darstellte, so ist anzunehmen, daß er mit diesem in Kontakt stand. Aufgrund seiner seltenen Anwesenheit hat er die Auseinandersetzungen zwischen Adler und Freud nicht verfolgen können. Vielleicht war der Austritt Adlers, mit dem sich Bach weltanschaulich verbunden fühlte, der äußere Anlaß für seinen längst fälligen Schritt aus einer Gruppe, der er seit Jahren nur mehr formal angehört hatte. Wahrscheinlich wurde er von Adler über Freuds Vorgangsweise informiert und drückte sein Unbehagen und seinen Protest darüber auf die geschilderte Weise aus. In der sich nach 1911 entfaltenden Schule Adlers und der weiteren Geschichte der Individualpsychologie scheint David Josef Bach jedenfalls nicht auf.“ (Handlbauer, 1990, 49)
 

Sozialdemokratische Kunstpolitik:

1904 Redakteur der Arbeiterzeitung. Er folgte dort Josef Scheu nach dessen Tod als Musikkritiker.
„Die Musik – und Theaterkritik wurde von Engelbert Pernerstorfer und David Joseph Bach entscheidend geprägt und zu einem Ort offener, interessanter und vor allem intelligenter  Auseinandersetzung mit modernem Theater und zeitgenössischer Musik entwickelt. “ (http://www.gfk-ooe.at/arbeiterzeitung)
Ab 1905 Organisation der Arbeiter-Sinfonie-Konzerte.
Am 29. Dezember 1905 fand im Großen Musikvereinssaal das „Erste Sinfoniekonzert für die Arbeiterschaft Wiens“ statt.
„David Bach setzte es sich zum Ziel, das Kunstmonopol der Konzerte zu brechen und die organisierte Arbeiterschaft mit Sinfoniekonzerten zum Genuß der gehobenen Musik zu erziehen“. (Kotlan-Werner 1977, 51. zitiert nach Mühlleitner 1992, 29)
1918 bis 1922 war Bach Herausgabe (gemeinsam mit Julius Bittner) der Musikzeitschrift „Der Merker“.
1919 Leitung der neugegründeten Sozialdemokratischen Kunststelle, die Arbeitern einen Zugang zu kulturellen Angeboten ermöglichen sollte. 
1926 Herausgeber der Monatszeitschrift „Kunst und Volk“.

„Es sollten die Bestrebungen nach künstlerischer Volkserziehung innerhalb der geistigen und manuellen Arbeiterschaft zusammengefasst und einheitlich geführt werden, um dem Kunstwillen des Volkes Wirkung und Verwirklichung zu schaffen. Nach uns, nach unserem Muster, haben sich dann andere, kleinere Gruppen zusammengetan, teils nach beruflicher, teils nach politischer Zusammengehörigkeit, die auch den Namen Kunststelle von uns übernommen haben. Wir haben es alle anderen gelehrt, den Anspruch des Volksganzen auf die Kunst nicht preiszugeben.“ (dasrotewien.at)
 

1933 schied Bach aus der Arbeiterzeitung aus und ging in Pension.
Die Sozialdemokratischen Kunststelle leitete er noch bis zum 12. Februar 1934.
Am 11. Februar 1934 fand das letzte Arbeiter-Sinfonie-Konzert statt:

„Es bleibt unsere Freud und unser Stolz, der letzte Haus eines freien Österreich gewesen zu sein. Auf dem Programm war die ganze Musik zu dem Film von Hanns Eisler, die mit dem Solidaritätslied endete. Der Verleger hatte die Aufführung verboten. Wir erklärten aber, daß das Lied auch ohne seine Erlaubnis aufgeführt werden würde. die Arbeiter kamen, und als das Lied der Solidarität erklang, sprang das Publikum bei den ersten Takten von en Sitzen. am nächsten Tag erfolgte jener Schlag des Faschismus, der Österreich von dieser Vorhölle in den Abgrund des Nationalsozialismus riß.“ (Bach , 30. 12.1945, Arbeiter-Zeitung)

Förderer der neuen Musik:


Bach war zusammen mit ernst Krenek Leiter der österreichischen Sektion der Internationalen Gesellschaft für neue Musik. Bach zählte zu jenen, die der Zweiten Wiener Schule (A. Schönberg, A. Webern, a. Berg) den Weg bereitet haben.
Er wurde schon als Schüler auf den gleichaltrigen Arnold Schönberg aufmerksam, mit dem ihn ab 1893 eine langjährige Freundschaft verband. Bach war wichtig für die frühe Kunstanschauung Schönbergs. Man diskutierte über marxistische Ästhetik, Materialismus, Neopositivismus. Bach dissertierte über den frühen Neopositivisten Humes. (siehe dazu Thülen 1996, 16f)

Arnold Schönberg über David Bach:

„Ein Philolog, Philosoph, Literaturkenner, Mathematiker und ein ganz guter Musiker. Er hatte so großen Einfluß auf die Entwicklung meines Charakters, daß er diesem  die ethische und moralische Kraft zu verleihen mochte, die meinen Widerstand gegen Gewöhnlichkeit und Allerweltvolkstümlichkeit begründen konnte.“ (Arnold Schönberg 1974)

 Emigration:

1939 Bach emigrierte mit seiner Frau nach England. Sein älterer Bruder Max lebe schon schon lange dort und so konnte seine Emigration vorbereiten, Möbel, sein Klavier und Bücher mitnehmen.
Seine neue Adresse war: Streathbourne Road, London S.W. 17.
Er war oft im Lesesaal des Britischen Museums und fast jeden Sonntag besuche mit seiner Frau das Arbeiterheim der österreichischen Sozialdemokraten in South Hampstead.  
Bach war Präsident der Union österreichischer Journalisten in England.
Ab 1940 organisierte er regelmäßig „kulturelle Abende“ im Klub der österreichischen Sozialisten (Austrian Labour Club).
Seine Schwester Eva und ihr Mann, die Klavierpädagogin Bella Cohn, eine Schwester seiner Frau, kamen in Konzentrationslagern um.
(siehe Kotlan-Werner, 926)
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde nichts unternommen, um Bach die Heimkehr zu ermöglichen.
Am 30. Jänner 1947 starb David Josef Bach in London.

Die BBC sendete am 3. Februar einen Nachruf.


Aus dem Zirkular des Austrian Cultural Forum 2003

David Joseph Bach und das Wien der 1920er Jahre
David Joseph Bach Rediscovered

The Box: Souvenirs of Vienna 1924
Austrian Cultural Forum
28 Rutland Gate, London SW7 IPQ
Online: http://www.austria.org.uk/culture/
13. Februar bis 5. März 2003

„A unique exhibition of hitherto unseen works by some of the greatest European composers, writers and artists of the 20th century will be the centrepiece of a series of events organised by the Austrian Cultural Forum, London, in February.
Presented to David Josef Bach, a pivotal figure of Vienna’s cultural life, on the occasion of his 50th birthday in 1924, the collection of original works of art and musical and literary dedications has never been exhibited before and provides a unique snapshot of the rich and diverse milieu of which Bach was a part.

The collection of original works of art and musical and literary dedications by such major figures as Oskar Kokoschka, Arnold Schoenberg, Erich Wolfgang Korngold, Stefan Zweig, John Galsworthy, Josef Hoffmann, Anton von Webern, Richard Strauss, Bela Bartok, Arthur Schnitzler and Hugo von Hofmannsthal has never been exhibited before and was originally presented to David Josef Bach, a pivotal figure of Vienna’s cultural life in the 1920s, on the occasion of his 50th birthday in 1924. It had lain forgotten in a bank vault in Sussex until it was rediscovered two years ago. Providing a unique snapshot of the rich and diverse milieu of 1920s Vienna, it has now been analysed and researched and will be exhibited for the first time at the exhibition space of the Austrian Cultural Forum in Kensington.

The dedicatee of the collection, David Josef Bach (born Lemberg, 1874 of Jewish origins, died London 1947) was a gifted amateur musician and respected writer (he was editor and chief music critic of the Arbeiter Zeitung), and from childhood was a close friend of Arnold Schoenberg. In 1905 he founded the celebrated Workers‘ Symphony Concerts and in 1919 he was appointed Director of the ‚Sozialdemokratische Kunststelle‘, which enabled him to develop a dynamic programme of artistic events and build friendships with the leading artistic figures of his time.“
(http://www.literaturhaus.at/zirkular/ausstellungen/bach/)

Ausstellung 2009

„Schreiben für den Fortschritt - Die Feuilletons der Arbeiterzeitung“

Museum Arbeitswelt Steyr:  4. Oktober - 17. Dezember 2009

„Im Rahmen der Ausstellung werden auch, zum ersten Mal in Österreich, eine Auswahl an Reproduktionen gezeigt, die David Josef Bach zu seinem fünfzigsten Geburtstag, am 13. August 1924 von so bekannten Künstler und Künstlerinnen wie Alban Berg, Charlotte Calm, Franz Lehar, Anton Webern, Else Feldmann, Hugo von Hoffmannsthal oder Karl Kraus erhalten hat.“
(http://www.gfk-ooe.at/)

Zur Literatur siehe nebenstehende Datei.

Text: Christine Diercks, 7.6.2010