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SÜHNHAUS

HNHAUS
Dokumentarfilm
Regie: Maya McKechneay

Premiere im Gartenbaukino am 25. Oktober 2016 um 18.00

„Sühnhaus“ ist die Geschichte einer glücklosen Adresse: Wien, Schottenring 7.
Hier stand das Ringtheater, in dem 1881 fast vierhundert Menschen verbrannten.
Hier baute der Kaiser ein Sühnhaus, um alles wieder gut zu machen. Und niemand wollte darin wohnen.
Hier mietete der jungverheiratete Sigmund Freud mit seiner Frau Martha eine 1886 eine Wohnung und verlegte auch seine Praxis hierher. 1891 zog er wieder aus, als sich eine Patientin im Treppenhaus zu Tode stürzte.
Hier legte die Gestapo Feuer, um Akten zu vernichten, und vernichtete des Kaisers angeblich unbrennbares Vermächtnis.
Hier wurde die Angst des Kalten Krieges in Beton gegossen: Wiens Schaltzentrale für den Störfall, 18 Meter unter dem Boden, bis heute unberührt.
Der Essayfilm SÜHNHAUS bewegt sich assoziativ durch Monarchie, Erste und Zweite Republik und verknüpft Bilder, Ereignisse und Gedanken, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Als Geisterhausfilm ohne Geister nimmt er die Geschichte eines Grundstückes zum Anlass, um nach den ganz realen Leichen im Keller Österreichs zu suchen.
(Text: Filmfonds Wien)

Zum Sühnhaus und Sigmund Freud(Stiftungshaus)

Seine erste eigene Wohnung bezog Sigmund Freud am 15. April 1886 in Wien, 8. Bezirk, Rathausstraße 7, dort eröffnete er am 25. April nach seiner Rückkehr aus Paris auch seine Praxis.
Im Juli 1886 mietete er eine Wohnung im Sühnhaus, Maria-Theresienstraße 8 im 9. Wiener Gemeindebezirk. Am 13. September 1886 heirateten Sigmund Freud und Martha Bernays er im Wandsbeker Rathaus, das Paar zog nach der Hochzeitsreise im Oktober ein und Freud ordinierte dort auch bis 1891.

Das Sühnhaus stand an Stelle, an der sich zuvor das Ringtheater fand. Die Pläne für den Bau stammten von Emil Förster,  am 7. Jänner 1874 wurde die „Komische Oper“ eröffnet, im September wurde sie in „Ringtheater“ umbenannt.
Am 8. Dezember 1881 standen „Hoffmanns Erzählungen“ auf dem Spielplan. Vor Beginn der entzündeten sich die Gaslampen in der Deckendekoration der Bühne erst mit einiger Verzögerung und das inzwischen ausgeströmte Gas entflammte und steckte die Bühne und den Schnürboden in Brand. Die Zuschauer merkten zuerst nichts davon. Dann entflammte der Bühnenvorhang, der Saal war raucherfüllt, die Gasbeleuchtung wurde abgeschaltet, unter den Zuschauern brach Panik aus. 386 Menschen fielen dem Brand zum Opfer, 500 konnten sich retten.
Die in der Folge erlassenen Brandschutzverordnungen sorgen seither dafür, dass in Theater und Oper die Türen immer nach außen zu öffnen sein müssen, ein Umstand, der beim Ringtheaterbrand viele Leben hätte retten können.
Kaiser Franz Josef finanzierte aus seiner Privatschatulle den Bau des Sühnhaus Die Erträgen aus seiner Vermietung sollten wohltätige Stiftungen zukommen. Die im zweiten Stock errichtete „Kapelle zu unbefleckten Empfängnis“ sollte an die Opfer des Brandes erinnern. Mit der Errichtung wurde Dombaumeister Friedrich Schmidt beauftragt, der auch das Rathaus baute. Mit einem feierlichen Akt wurde der Bau im Beisein des Kaisers am 26. Jänner 1886 eröffnet. Trotz der niedrigen Mieten scheuten die Menschen anfangs davor zurück, sich hier einzumieten. Friedrich Schmidt bezog eine der Wohnungen, er verstarb dort auch 1891.

Sigmund und Martha Freud zählten zu den ersten Mietern. Am 4. Oktober 1886 eröffnete Sigmund Freud dort seine Ordination
Am 5. Oktober wurde von der Holzwarenhandlung Gerasdorfer die Möbel geliefert: „1 Kredenz, 1 Tisch, 1 Stellage, 1 Sessel und 1 Wäschekorb“. Dafür wurden 26.60 Gulden in Rechnung gestellt. (zitiert nach Tögel, 1996/2015, 35)
Am 16. Oktober wurde dort ihre älteste Tochter Martha geboren. Es war das erste Kind, das in diesem Haus zur Welt kam und der Kaiser schickte ein Glückwunschtelegramm.
Auch die beiden älteren Söhne des Paares wurden dort geboren, Jean-Martin Freud am 7. Dezember 1889  und Oliver Freud am 19. Februar 1891.
Seine Patientin Madame Annica Benvenisti schenkte (um 1890) Freud für die Ordination in der Theresienstraße jene Couch die heute noch im Museum in Maresfieldgardens, London zu sehen ist. (ebd., Gay, 1989, 12)
Am 14. Mai 1991 stürzte sich dort Pauline Silberstein – Ehefrau von Freuds Jugendfreund Eduard Silberstein und wahrscheinlich kurz Freuds Patientin – aus dem dritten Stock in den Tod. Die Presse und die Wiener Zeitung berichteten darüber.  (Appignasi & Forrester, 1994, 482)
1991 übersiedelte Freud mit seiner Familie und seiner Praxis in die Berggasse 19.

1945 wurde das Sühnhaus von Bomben zerstört und 1951 im Gefolge eines Brandes des Nachbarhauses ganz abgerissen. 1974 wurde an dieser Stelle ein der Sitz der Bundespolizeidirektion errichtet, heute findet sich dort die Landespolizeidirektion Wien.

Quellen:
Tögel, Christfried (1996): Freuds Wien. Eine biografische Skizze nach Schauplätzen. Wien: Turia + Kant. 2. korrigierte Auflage Gießen: Psychosozial Verlag, 2015
Appignanesi, Lisa; Forrester, John (1994): Die Frauen Sigmund Freuds. Münschen, Leipzig: List Verlag
Gay, Peter (1989): Freud. Eine Biographie für unsere Zeit. Frankfurt am Main: S. Fischer
https://www.filmstandort-austria.at/projekte/156/
wien.gv.at
https://de.wikipedia.org/wiki/Ringtheater

Redaktion: CD, 16.10.2016