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Marie Langer - Chronologie

Geboren am 31.8.1910 in Wien, jüdischer Herkunft als Tochter von Margarete Hauser, Hausfrau(1886-1968) und Rudolf Glas, Textikfabrikant (1880 - 1953).
1916-1921 Volksschule Luithlen, Wien.
1921-1929 „Schwarzwaldschule“, Wien, (von der feministischen Sozialdemokratin Eugenie Schwarzwald geleitet)
1929 Matura.
Auf Drängen Ehe ihrer Mutter Ehe mit jungem Mann aus konservativ-katholischen Familie, Scheidung nach 3 Jahren.
Danach Medizinstudium in Wien.
1932 ein Semester Physiologie in Kiel.
4.3.1935 Promotion, Anästhesistin, dann Psychiatrische Universitätsklinik Wien, Frauenabteilung.
Engagement bei „Ärzten für den Frieden“, das führte zu einer Verhaftung.
1933-1938 (illegales) Mitglied der KPÖ, mit ihrem 2. Ehemann Herbert Manovil an illegalen Aktionen beteiligt.
Zwei Tage in Haft. Lernte in der Haft den Chirurgen Max Langer (1902-1965), ihren späteren dritten Ehemann kennen.
1933 therapeutische Psychoanalyse bei Richard Sterba, die als Lehranalyse fortgeführt wurde.
1933-1936 Kandidatin der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung (WPV), Konflikte mit der WPV wegen ihres politischen Engagements.
4.11.1936 Ging mit Max Langer nach Spanien, sie schlossen sich der 15. Internationalen Brigade an und Marie Langer war von 1936-1937 in Spanien als Anästhesistin im Feldspital Colmenar bei Madrid und in Murcia tätig.
1938 Emigration über Frankreich, Zwickau, Prag nach Uruquay.
1939 Geburt ihres Sohnes Tomas in Uruguay.
1942 in Argentinien, Buenos Aires, Gründungsmitglied der GründerInnen der Asociación Psicoanalítica Argentina (APA) (Mitglied bis 1971).
Zweite Analyse bei Celes Ernesto Cárcamo.
1945 Geburt ihres Sohnes Martin in Argentinien.
Geburt ihrer Tochter Ana in Argentinien.
1959 Präsidentin der APA.
Mitglied bei der Gruppe „Junta de la Victoria en Austria Libre“.
1945 Nicht zuletzt aus sozialen Motiven an Gruppentherapie sehr interessiert wurde sie Gründungsmitglied der argentinischen Gesellschaft für Gruppentherapie, Asociación Argentina de Psicología y Psicoterapia de Grupo.
1953 Geburt ihrer Tochter Veronica in Argentinien.
1953-55 Arbeit in der Gruppentherapie, Leiterin des psychosomatischen Dienstes in der gynäkologischen Abteilung des Krankenhauses von Buenos Aires.
Lehranalytikerin und Spitalsärztin mit Arbeitsschwerpunkt Psychodynamik und Psychosomatik der Frau. Sie stütze sich in ihrer eigenen Arbeit theoretisch auf die Auffassungen Mealnie Kleins über die unbewussten, körpernahen frühen Ängste und ungelösten feindseligen Mutterbindungen.
Berufung als Universitätsprofessorin in Argentinien und Mexiko.
1969 Teilnahme am Internationalen Psychoanalytischen Kongress in Rom. Dort maßgeblich beteiligt an der Gründung der linksoppositionellen Plataforma.
Gründung eines Ausbildungszentrums der Plataforma, um die Psychoanalyse auch den unteren Schichten zugänglich zu machen.
1971 Teilnahme am Internationalen Psychoanalytischen Kongress in Wien. Forderte dort in ihrem Vortrag über Psychoanalyse und/oder soziale Revolution ein politisches Engagement der Psychoanalytiker im Kampf gegen soziale Ungerechtigkeit.
Die IPA verweigerte die Veröffentlichung dieses Vortrags und Marie Langer trat daraufhin aus der IPA aus.
1972-73 Präsidentin der Psychiatervereinigung Argentiniens.
1974 Unterricht an der Universität/ Psychol. Medica; Engagement in der Psychiatrie-Gewerkschaft und bei salud-mental-Projekte,  Assistenzprofessorin für medizinische Psychologie an der medizinischen Fakultät.
Stand auf der Todesliste der Alianza Anticommunista Argentina (AAA), Verfolgung.
Juni 1974 Vertreibung aus Argentinien im Gefolge der Verfolgungen der AAA.
Flucht nach Mexico City.
Dort psychoanalytische Praxis, Professorin an der Universidad Nacional Autónoma de México, psychische Betreuung von Opfern der Verfolgung, Folter und Vertreibung.
1981 Unterstützte die Sandinistischen Revolution. Beteiligung am Aufbau einer gemeindenahen medizinischen und sozialpsychiatrischen Versorgung, medizinisch-psychiatrischen Versorgung (Salud mental). Gründung von  Equipo Internacionalista de Salud Mental, Eröffnung von Gesundheitszentren in Leon und Managua.
1986 Reise nach Havanna, Kuba, Treffen mit Fidel Castro, Veranstaltung eines psychoanalytischen Kolloquiumsin Kuba.
Wahl in das „Komitee der Intellektuellen für die Souveränität Lateinamerikas“.

Marie Langer verstarb in Buenos Aires, Argentinien am 22.12. 1987 an Lungenkrebs.

Text Christine Diercks, 6.8.2010