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IPV-Korrespondenzblatt: CB I-VI / 1910-1911

CORRESPONDENZBLATT  der internationalen psychoanalytischen Vereinigung
REDAKTION:
DR. C. G. JUNG, KÜSNACHT b/ZÜRICH, ZENTRALPRÄSIDENT UND DR. F. RIKLIN,
NEUMÜNSTERSTRASSE 34, ZÜRICH V, ZENTRALSEKRETÄR

Gliederung
I. Wesentliches aus CB I-VI zusammengefasst
II. Inhaltsübersicht CB I-Vi
III. Text

Die editorischen Angaben zum Korresponenzblatt und zu dessen psyalpha-Bearbeitung finden sich unter:
IPV-Korrespondenzblatt 1910-1941: Editorische Anmerkungen, Quellen, Literatur

I: Wesentliches aus CB I-VI zusammengefasst:

Wien:
Gründung der Ortsgruppe Wien im April 1910. Vorsitz  Alfred Adler, Stellvertreter Wilhelm Stekel,  wissenschaftlicher Vorsitzender Simgund Freud - im Vorsitz mit dem Obmann und Obmannstellvertreter alternierend.
Nach vorangegangener Grundsatzdiskussionen wird die erste Frau, Margarete Hilferding, Mitglied der Wiener Psychoanalytische Vereinigung.
Die
wöchentlichen Mittwoch-Sitzungen finden nicht mehr in der Berggasse 19
sondern im Wiener Medizinischen Doktorenkollegiums, Wien I,
Rotenturmstraße 19 statt.
Für das WS 1910/1911 sind Lehrkurse für Psychoanalyse beschlossen.
Bericht vom April 1911: Rücktritt von Adler und Stekel, neuer Vorsitzender: Sigmund Freud.

Berlin:
Gründung der Ortsgruppe Berlin im März 1910. Vorsitz Karl Abraham

Zürich:
Gründung der Ortsgruppe in Zürich im Juni 1910. Vorsitz  Ludwig Binswanger
Als die Gründung der internationalen Vereinigung erfolgte, weigerte sich nicht nur der bisherige Vorsitzende Prof. Bleuler, sondern auch eine Reihe von Mitgliedern, die sich bisher zum Teil durch aktive Mitarbeit ausgezeichnet hatten, dem Verein beizutreten.
Wie jedes Semester, hält Dozent Dr. Jung, Zürich, ein vierstündiges Seminar über Psychoanalyse privatissime ab.
27.1.1911: Unter den neuen Mitgliedern:  Prof. Dr. E. Bleuler, Burghölzli
25. Mai 1911: Neuer Vorsitzender: Alphons Maeder;

München:
Gründung der Ortsgruppe München am 1. Mai 1911.  Vorsitz Ludwig Seif.
Zu den Mitgliedern zählt: Dr. phil. Emil Frh. v. Gebsattel, Max Josefstr. 6,

New York:
Gründung der Ortsgruppe New York (New York Psychoanalytic Society) am 12. Februar 1911.  Vorsitz: Abraham Arden Brill

Budapest:
Dr. Ferenczi in Budapest hielt 1909 einen Privatkursus über
Psychoanalyse ab, der von zirka 12–13 Teilnehmern besucht war. Er
gedenkt mit den brauchbaren Kräften dieser Gruppe auch dieses Jahr ein
psychoanalytisches Seminar abzuhalten. Aus Mangel an passenden
Mitgliedern konnte die Gründung einer Ortsgruppe in Budapest bis jetzt
nicht bewerkstelligt werden.

Der III. Psychoanalytischer Kongress in Weimar wird für 21. bis 22. September 1911 angekündigt.

 

II. Inhaltsverzeichnis CB, Ausgabe I-VI (1910/1911):

Die Korrespondenzblätter I-VI sind als Einzeldrucke erschienen und sind im Text mit CB gekennzeichnet.
CB / I / 1910
Juli 1910, No. 1
CORRESPONDENZBLATT  der internationalen psychoanalytischen Vereinigung
REDAKTION: DR. C. G. JUNG, KÜSNACHT b/ZÜRICH, ZENTRALPRÄSIDENT UND DR. F. RIKLIN, NEUMÜNSTERSTRASSE 34, ZÜRICH V, ZENTRALSEKRETÄR

CB / / 1910 / 1-2: Gründung der Ortsgruppe Wien.
CB / I / 1910 / 2: Gründung der Ortsgruppe Berlin.
CB / I / 1910 / 2-3: Gründung der Ortsgruppe in Zürich.
CB / I / 1910 / 4: Bitte an die Mitglieder. Verschiedene Mitteilungen.

CB / II / 1910
Juli 1910, No. 2
CORRESPONDENZBLATT  der internationalen psychoanalytischen Vereinigung
REDAKTION: DR. C. G. JUNG, KÜSNACHT b/ZÜRICH, ZENTRALPRÄSIDENT UND DR. F. RIKLIN, NEUMÜNSTERSTRASSE 34, ZÜRICH V, ZENTRALSEKRETÄR

CB / II / 1910 / 1: Ortsgruppe Berlin
CB / II / 1910 / 1-2: Ortsgruppe Wien.
CB / II / 1910 / 2-3: Ortsgruppe Zürich.
CB / II / 1910 / 3-8: Verschiedene Mitteilungen. Neueste Literatur.

CB / III / 1910
Juli 1910, No. 2
CORRESPONDENZBLATT  der internationalen psychoanalytischen Vereinigung
REDAKTION: DR. C. G. JUNG, KÜSNACHT b/ZÜRICH, ZENTRALPRÄSIDENT UND DR. F. RIKLIN, NEUMÜNSTERSTRASSE 34, ZÜRICH V, ZENTRALSEKRETÄR

CB / III / 1910 / 1-3: Ortsgruppe Wien.
CB / III / 1910 / 4: Ortsgruppe Berlin
CB / III / 1910 / 4-5: Ortsgruppe Zürich.
CB / III / 1910 / 6-8: Mitteilung an die Ortsgruppen. Verschiedenes. Literatur.

CB / IV / 1911
Zürich, Februar 1911 , No. 4
CORRESPONDENZBLATT der internationalen psychoanalytischen Vereinigung
REDAKTION: DR. C. G. JUNG, KÜSNACHT b/ZÜRICH, ZENTRALPRÄSIDENT UND DR. F. RIKLIN, NEUMÜNSTERSTRASSE 34, ZÜRICH V, ZENTRALSEKRETÄR

CB / IV / 1911 / 1: Ortsgruppe Berlin.
CB / IV / 1911 / 1-2: Ortsgruppe Wien.
CB / IV / 1911 / 3: Ortsgruppe Zürich.
CB / IV / 1911 / 3-4: Literatur.

CB / V / 1911
Zürich, April 1911, No. 5
CORRESPONDENZBLATT der internationalen psychoanalytischen Vereinigung
REDAKTION: DR. C. G. JUNG, KÜSNACHT b/ZÜRICH, ZENTRALPRÄSIDENT UND DR. F. RIKLIN, NEUMÜNSTERSTRASSE 34, ZÜRICH V, ZENTRALSEKRETÄR

CB / V / 1911 / 1: Ortsgruppe Berlin.
CB / V / 1911 / 1: Ortsgruppe München. Unter dem Vorsitz von Dr. Ludwig Seif hat sich in München eine Ortsgruppe gebildet.
CB / V / 1911 / 1-2: Ortsgruppe New York.
CB / V / 1911 / 2-5: Ortsgruppe Wien.
CB / V / 1911 / 5-6: Mitteilungen. Literatur.

CB / VI / 1911
Zürich, August 1911, No. 6
CORRESPONDENZBLATT der internationalen psychoanalytischen Vereinigung
REDAKTION: DR. C. G. JUNG, ZENTRALPRÄSIDENT UND DR. F. RIKLIN, ZENTRALSEKRETÄR. KÜSNACHT b/ZÜRICH

CB / VI / 1911 / 1: Ortsgruppe Berlin.
CB / VI / 1911 / 1: Ortsgruppe München.
CB / VI / 1911 / 1-2: Ortsgruppe New York.
CB / VI / 1911 / 2: Ortsgruppe Wien.
CB / VI / 1911 / 4-5: Ortsgruppe Zürich.
CB / VI / 1911 / 5_ Literatur. Psychoanalytischer Kongress in Weimar 1911.

 

IV. INHALT: IPV - CORRESPONDENZBLATT, CB: Ausgabe I-VI (1910/1911).

CB / I / 1910 / 1-2

I. Gründung der Ortsgruppe Wien.

In Wien hat sich im April die Ortsgruppe der internationalen psychoanalytischen Vereinigung gegründet. Der Obmann ist Herr Dr. Adler, Czerningasse 7, Wien II.
Mitgliederliste.
1. Dr. Adler, Czerningasse 7, Wien II, Obmann.
2. Prof. Dr. Freud, Berggasse 19, Wien IX.
3. Dr. Guido Brecher, Villa Erlenau, Meran.
4. Dr. P. Federn, Riemergasse, Wien I.
5. Dr. Josef K. Friedjung, Ebendorferstraße 6, Wien I.
6. Dr. phil. Carl Furtmüller, Zeltenergasse 6, Wien V.
7. Dr. jur. Max Graf, Untere Viaduktgasse 35, Wien III.
8. Hugo Heller, Bauernmarkt 3, Wien I.
9. Dr. Eduard Hitschmann, Gonzagagasse 16, Wien I.
10. Dr. Edwin Hollerung, Schillergasse 24, Graz.
11. Dr. Ludwig Jekels, Sanatorium Bistrai b. Bielitz in Schlesien.
12. Dr. Alb. Joachim, Sanatorium Rekawinkel, Österreich.
13. Dr. phil. D. E. Oppenheim, Zwerggasse 4, Wien II.
14. O. Rank, Simondenkgasse, Wien II.
15. Dr. Rud. Reitler, Dorotheergasse 6, Wien I.
16. Dr. Oscar Rie, Stubenring 22, Wien I.
17. Dr. J. Sadger, Liechtensteinstraße 15, Wien IX.
18. Dr. Maxim. Steiner, Rotenturmstraße 19, Wien I.
19. Dr. Wilh. Stekel, Gonzagagasse 21, Wien I.
20. Dr. jur. Victor Tausk, Ungargasse 56, Wien III.
21. Dr. med. Rud. Urbantschitsch, Sternwartestraße 74, Wien XVIII.
22. Dr. Fritz Wittels, Sternwartestraße 74, Wien XVIII.
CB / III / 1910 / 1: 2. Personalia. In der in der 1. Nummer veröffentlichten Mitgliederliste sind durch ein Versehen ausgelassen worden: Dr. phil. D. J. Bach, Wien, und  Dr. S. Ferenczi, Budapest.

Die „Wiener psychoanalytische Vereinigung“ hat sich entschlossen, von Zeit zu Zeit ihre Diskussionen in die Öffentlichkeit zu bringen. Die erste dieser Publikationen, die bei Bergmann, Wiesbaden, erscheinen werden, ist bereits im Druck und wird das Thema des Selbstmordes, insbesondere jugendlicher Personen behandeln.

CB / I / 1910 / 2

II. Gründung der Ortsgruppe Berlin (im März).

Mitgliederliste.
1. Dr. Abraham, Vorsitzender, Schöneberger Ufer 22, Berlin W.
2. Dr. M. Eitingon, Hindersinstraße 14, Berlin N.W.
3. Dr. M. Hirschfeld, In den Zelten 16, Berlin N.W.
4. Dr. O. Juliusburger, Siemensstraße 18, Berlin-Steglitz.
5. Dr. H. Koerber, Groß Lichterfelde, Boothstraße 19, b. Berlin.
6. Dr. J. Marcinowski, Haus Sielbeck am Uklei, Post Holsteinische Schweiz.
CB / II / 1910 / 1:  Berichtigung: Das in No. 1 des Korrespondenzblattes enthaltene Mitgliederverzeichnis enthält den Namen des Herrn Dr. J. Marcinowski, der durch ein Versehen in die Liste gelangt ist.
7. Dr. Simon, Kreis Irrenanstalt, Bayreuth.
8. Dr. A. Stegmann, Mosczynskistraße 18, Dresden.
9. Dr. W. Strohmayer, Psychiatrische Klinik, Jena.
10. Dr. W. Warda, Blankenburg im Schwarzatal, Thüringen.

Sitzung am 29. April
Dr. Abraham: Einleitendes historisches Referat über die Psychoanalyse.
Dr. Juliusburger: Casuistischer Beitrag zu den Beziehungen zwischen Kriminalität und Unbewußtem.
Lebhafte Diskussion.
Es findet monatlich eine Sitzung statt und zwar jeweilen am ersten Mittwoch im Monat. Die Sitzung findet abwechselnd in den Wohnungen der Mitglieder statt.

CB / I / 1910 / 2-3

III. Gründung der Ortsgruppe in Zürich (im Juni).

Die Gründung hat sich infolge verschiedener größerer Schwierigkeiten verzögert. Die bisherige psychoanalytische Vereinigung war von ca. 20–25 Mitgliedern jeweilen besucht.
Als die Gründung der internationalen Vereinigung erfolgte, weigerte sich nicht nur der bisherige Vorsitzende Prof. Bleuler, sondern auch eine Reihe von Mitgliedern, die sich bisher zum Teil durch aktive Mitarbeit ausgezeichnet hatten, dem Verein beizutreten. Aus den langwierigen Verhandlungen ergab sich als einziges Resultat die Verzögerung unserer Konstituierung. Die neugegründete Ortsgruppe beschloss in der letzten Sitzung mit großer Mehrheit, einige der nicht beitretenden, früheren Mitglieder vorläufig regelmäßig zu den Sitzungen einzuladen.

Mitgliederliste.
1. Dr. med. Ludwig Binswanger, Vorsitzender, Kuranstalt Bellevue Kreuzlingen (Thurgau).
2. Dr. med. Ewald Jung, Sekretär, Sanatorium Dr. Brunner, Küsnacht.
3. Frau Dr. med. Sophie Erismann, Plattenstr. 37, Zürich V.
4. Dr. med. Roberto G. Assagioli, via degli Alfani 46, Florenz.
5. Dr. med. Bircher-Benner, Keltenstraße, Zürich V.
6. Dr. med. Trigant Burrow, Hotel Pension Fortuna, Mühlebachstr., Zürich.
7. Dr. med. J. Honegger, Stockerstraße 37, Zürich II.
8. Dr. phil. L. Hopf, Physikstraße 6, Zürich V.
9. Dr. med. K. Imboden, Kantonsspital, St. Gallen.
10. Dr. med. C. G. Jung, Seestraße 1003, Küsnacht b. Zürich.
11. Frl. Dr. Frieda Kaiser, Notkerstraße 6, St. Gallen.
12. Pfr. A. Keller, zu St. Peter, Zürich I.
13. Dr. med. J. Lang, III. Arzt, Irrenanstalt St. Urban (Luzern).
14. Dr. med. Alphons Maeder, Kuranstalt Bellevue, Kreuzlingen (Thurgau).
15. Dr. Nelken, Assistenzarzt, Burghölzli, Zürich.
16. Pfr. Dr. O. Pfister, Schienhutgasse 6, Zürich I.
17. Dr. med. F. Riklin, Neumünsterstraße 34, Zürich V.
18. Dr. med. L. Seif, Franz Josefstraße, München.
19. Dr. med. W. Stockmayer, Psychiatrische Klinik, Tübingen.

Sitzung am 29. April. Dr. C. G. Jung berichtet über den Nürnberger Kongreß.

Sitzung am 13. Mai. Dr. C. G. Jung: Casuistische Mitteilung über 2 zahlen-symbolische Träume und über den Fall eines 13 jährigen Schulmädchens, das in der Schule einen Traum über einen Lehrer erzählt hatte. Der Traum wurde zum Ausgangspunkt eines Gerüchtes und die genaue Feststellung der Aussagen der andern Kinder ergab, daß das Gerücht den Traum richtig analysiert hatte. – Verhandlungen über die Umgestaltung des Vereins.

Sitzung vom 27. Mai Dr. Riklin: Über Kleptomanie. Es handelt sich um 2 Fälle. Der eine, eine Neurose, der andere eine Dementia praecox, welche die bisherige Kleptomanie-Formel bestätigen.
Dr. C. G. Jung: Über Symbolik. Die Arbeit beschäftigt sich mit der Genese und der Bedeutung der symbolischen Fähigkeit; wird später publiziert werden.

Sitzung vom 10. Juni. Pfarrer Dr. Pfister: Über den Grafen von Zinzendorf; eine Darstellung der absolut pervers-sexualisierten Religiosität des Gründers der Herrenhuter-Gemeinde. Die Arbeit wird später publiziert.

CB / I / 1910 / 4

Bitte an die Mitglieder.

Das Zentralsekretariat ersucht die Mitglieder, sowie die Vorstände der Ortsgruppen, regelmäßige, 2 monatliche Berichte über die Tätigkeit der Ortsgruppen einzusenden, behufs Publikation im Korrespondenzblatt, sowie sonstige erwähnenswerte
Vorkommnisse, wie Publikationen der Mitglieder, Polemisches etc. Das Sekretariat wäre den Mitgliedern zu besonderem Dank verpflichtet, wenn sie von ihren jeweiligen Publikationen Sonder-Abdrücke, behufs Sammel-Referat im Jahrbuch, einsenden wollten.

Verschiedene Mitteilungen.

1. Der bekannte Ethiker und Pädagoge Förster in Zürich hat sich in einer seiner Publikationen und zuletzt in der „Evangelischen Freiheit“, wo Dr. Pfister seine im Jahrbuch referierte Arbeit publizierte, einen Angriff auf die Freud’sche Psychologie geleistet, der an Ungezogenheit seinesgleichen sucht. Pfister hat in der „Evangelischen Freiheit“ ausführlich auf diesen Angriff geantwortet.
2. An der letzten Versammlung des Vereins Südwestdeutscher Irrenärzte im Mai in Baden-Baden, hat Prof. Hoche (Freiburg) einen Vortrag gehalten „Über eine geistige Epidemie unter Ärzten“, worunter er die Freud’sche Psychologie versteht. Von über 100 Teilnehmern fand sich keiner veranlaßt zu widersprechen. Die Vorwürfe und die sog. Kritik, die Hoche uns zu Gemüte führt, sind von gleicher Qualität wie das meiste Vorausgegangene.
3. An der letzten schweizerischen Psychiater-Versammlung in Herisau wurden Vorträge psychoanalytischen Inhalts gebracht von Dr. Bertschinger, Schaffhausen (Dementia praecox-Psychologie) und Dr. C. G. Jung (Symbolik). Beide Vorträge nahm die Versammlung mit Beifall und ohne Widerspruch entgegen, was als ein beträchtlicher Fortschritt der schweizerischen Psychiatrie zu verzeichnen ist.
4. Mit 1. Oktober beginnt das Erscheinen eines Zentralblattes für Psycho-Analyse bei J. F. Bergmann in Wiesbaden. Die Zeitung ist herausgegeben von Freud, als Redaktoren zeichnen Dr. Adler und Dr. Stekel.

CB / II / 1910
I. Vereinsberichte

CB / II / 1910 / 1

1. Ortsgruppe Berlin

Zweite Sitzung am 7. Juni 1910.
1. Dr. Koerber berichtet über die Psychoanalyse eines Falles von Homosexualität, der mit Phobien und Zwangserscheinungen kompliziert war. Der Fall läßt besonders deutlich den Zusammenhang zwischen ursprünglicher Koprophilie und späterer Schmutzfurcht erkennen.

2. Dr. Abraham: Psychoanalyse eines Falles von Hysterie mit ungewöhnlichem Hervortreten der Incestfixierung.
Es wurde in Aussicht genommen, im Herbst eine Sitzung in Dresden abzuhalten, um einen besseren Konnex mit den in Mitteldeutschland wohnenden Kollegen zu ermöglichen.

Adressenänderung: Dr. K. Abraham wohnt jetzt Rankestraße 24, Berlin W.

CB / II / 1910 / 1-2

2. Ortsgruppe Wien.

Vortragsabende im Jahre 1909/1910.
1. (20. Oktober 1909): Oberstabsarzt Dr. E. Hollerung: Erfahren und Erleben.
2. (27. Oktober 1909): Fritz Wittels: Analyse einer hysterischen Verworrenheit.
3. (3. Novemb. 1909): J. Sadger: Ein Fall von multiformer Perversion I.
4. (10. Novemb. 1909): J. Sadger: Ein Fall von multiformer Perversion II.
5. (17. Novemb. 1909): J. K. Friedjung: Was kann die Kinderheilkunde von der psychoanalytischen Forschung erwarten?
6. (24. Novemb. 1909): V. Tausk: Erkenntnistheorie und Psychoanalyse.
7. (1. Dezemb. 1909): S. Freud: Eine Phantasie des Leonardo da Vinci.
8. (15. Dezemb. 1909): C. Furtmüller: Erziehung oder Fatalismus.
9. (22. Dezemb. 1909): Referate und kasuistische Mitteilungen.
10. (5. Januar 1910): J. Sadger: Ein Fall von multipler Perversion III.  O. Rank: Ein Traum, der sich selbst deutet.
11. (19. Januar 1910): W. Stekel: Zur Psychologie des Zweifels.
12. (26. Januar 1910): E. Hitschmann: Kasuistisches zur Zwangsneurose.
13. (9. Februar 1910): Referate und kasuistische Mitteilungen.
14. (16. Februar 1910): D. E. Oppenheim: Das Feuer als Sexualsymbol in Glaube und Mythus der Antike.
15. (23. Februar 1910): A. Adler: Über psychischen Hermaphroditismus.
16. (2. März 1910): R. Reitler: Entwicklungsgeschichte der Neurose.
17. (9. März 1910): P. Federn: Die infantilen Bedingungen des Masochismus.
18. (16. März 1910): Referate und kasuistische Mitteilungen.
19. (6. April 1910): Epilog zum Kongreß.
20. (13. April 1910): Vereinsreorganisation.
21. (20. April 1910): D. E. Oppenheim: Der Selbstmord im Kindesalter (Referat über das gleichnamige Buch v. A. Baer).
22. (27. April 1910): Diskussion über den Selbstmord.
23. (4. Mai 1910): J. K. Friedjung: Referat über Strohmayers Buch für Psychopathologie des Kindesalters.
24. (11. Mai 1910): J. Sadger: Ist das Asthma bronchiale eine Sexualneurose?
25. (18. Mai 1910): W. Stekel: Über das Gefühl des Fremdartigen im Traum und im Leben.
26. (25. Mai 1910): }
27. (1. Juni 1910): } Diskussion über die Schädlichkeit der Onanie
28. (8. Juni 1910): }
29. (15. Juni 1910): J. Sadger: Über Harnerotik.

CB / II / 1910 / 2-3

3. Ortsgruppe Zürich.

Sitzung vom 24. Juni.
Pfarrer Dr. Pfister: Zinzendorf (Fortsetzung). –
Geschäftliche Verhandlungen: Durchberatung und Annahme eines Statutenentwurfs für die Ortsgruppe Zürich.

Sitzung vom 8. Juli.
Pfarrer Dr. Pfister: Zinzendorf (Schluß). In der Diskussion werden alle psychopathologischen Probleme, welche die Arbeit Pfarrer Pfisters vor uns aufgerollt hat, nochmals erörtert.
Dr. L. Binswanger: Analyse und Heilung einer hysterischen Phobie (erscheint im Druck).

Sitzung vom 22. Juli.
Dr. L. Binswanger: Analyse und Heilung einer hysterischen Phobie (Schluß).
Geschäftliches:
a) Als Mitglied wird aufgenommen: Dr. phil. Gustav Wegelin. Adresse von Oktober an: Technische Hochschule, Stuttgart.
b) Die nächste Sitzung findet Mitte Oktober statt.

Adressenänderung: Dr. Ewald Jung wohnt jetzt in Winterthur, Römerstraße.

CB / II / 1910 / 3-8

II. Verschiedene Mitteilungen.

1. Wie wir vernommen, ist eine zweite Auflage des vergriffenen Bandes der „Sammlung kleiner Schriften zur Neurosenlehre“ in Vorbereitung.

2. Der in der letzten Nummer erwähnte Vortrag Prof. Hoches ist inzwischen als Originalarbeit in der „Medizinischen Klinik“ erschienen. Die Psychoanalyse macht ihm den Eindruck einer „seltsamen ärztlichen Taumelbewegung“. „Die Bewegung ist jetzt lange genug im Gange, um sie einmal unter dem historischen Gesichtswinkel zu betrachten. Die augenblicklich noch fehlende zeitliche Distanz zu dieser Bewegung wird für mich dadurch ersetzt, daß ich ihr wenigstens inhaltlich fernstehe.“ – Den wenigsten Gegnern wird es so klar bewußt, daß sie sich gerade kraft ihrer Unkenntnis für kompetent erklären. Hoche teilt diese Fähigkeit der Introspektion mit Aschaffenburg, der sich in einer Fachzeitung als Kritiker der Freud’schen Methode mit dem Satz einführte: „Mir versagt völlig die Fähigkeit des Folgens bei den erzwungenen Psychoanalysen.“ – Hoche kennt nur die
Traumatheorie. Immerhin ahnt er, daß man von der Psychoanalyse vielleicht doch etwas lernen könnte: „Zu dem vielleicht dauernden Gewinn, den wir erhoffen können, würde ich rechnen die Einsicht, daß wir mit einer viel eindringlicheren Vertiefung in das individuelle Seelenleben bei psychisch zu beeinflussenden Fällen mehr erreichen können, als wir bisher gewußt haben.“ Auch sonst sind ihm noch einige richtige Einsichten gelungen, z. B.: „Die Phase der anatomisch-materialistischen Auffassung der Vorgänge im Zentralnervensystem hat ihren Höhepunkt überschritten.“ Ebenso gibt er die „durchschnittliche Trostlosigkeit“ der sonstigen Heilungsbestrebungen offen zu. Besondern Eindruck hat es ihm gemacht, daß auch solche Ärzte als Anhänger der Sekte aus Wien zurückkehren, die mit der Absicht ernster Kritik dorthin gegangen oder hingeschickt worden waren. Seine Schilderung der Psychoanalyse als einer „Geheimsekte“, die ein besonderes „Novizentum“ fordert und durch „eine eigene Sektensprache das Gemeinsamkeitsbewußtsein wahrt“, wird jedem Liebhaber gesunden Humors einige genußreiche Augenblicke bereiten. (Honegger)

3. Privatdozent Dr. Willy Hellpach fordert im „Tag“ (psycholog. Rundschau) vom 25. Juni dazu auf, „aus dem unvermeidlichen Zusammenbruch der Freudbewegung das wirklich Wertvolle zu retten“, nämlich „den ursprünglichen Breuer’schen Kern“. – Hans Henning meint in seiner Schrift „Neupythagoräer“ (Annalen der Naturphilosophie, Bd. IX),
Freuds Psychologie falle in sich zusammen, wenn man zu Völkern ohne typische Großstadtauffassung gehe, z. B. Eskimos, Schweizern usw. – Boris Sidis wendet sich in seinem Vortrag „The Pathology and Diagnosis of Psychoneurosis“ mit folgendem Spruch gegen die Wichtigkeit verdrängter Wünsche: „If wishes were horses, beggars would ride. The Freudist manages to ride such horses”. Der Witz ist nicht gut.

4. In Brüssel tagte im Anschluß an den Kongreß der französischen Irrenärzte der Internationale Verein für medizinische Psychologie und Psychotherapie, 7. und 8. August 1910. Da Freud und Jung ein entsprechendes Referat ablehnen mußten, wurde De Montet in Vevey veranlaßt, ein Referat „Über die modernen Forschungen über die Entstehung und das Wesen der Neurosen“ zu übernehmen. Wir sind über das Schicksal der Psychoanalyse an diesem Kongreß leider nicht orientiert. Auf dem Programm stand auch ein Vortrag von Ad. Meyer, New York: Psychodynamik in der Dementia praecox.

III. Neueste Literatur.

E. Abramowski: Dissociation et Transformation du Subconscient normal. Revue psychologique, I, 1910, Bruxelles.

The American Journal of Psychology, edited by G. Stanley Hall etc. April 1910 enthält die Vorlesungen von Freud: The Origin and Development of Psychoanalysis, und von Jung: The Association Method, welche bei der Feier des zwanzigsten Jahrestages der Gründung der Clark University, September 1910, gehalten worden sind; das Heft enthält ferner eine Arbeit von Ernest Jones, Toronto: Freud’s Theory of Dreams mit hübschen Traumbeispielen, und die Übersetzung eines Vortrags von Ferenczi The Psychological Analysis of Dreams.

Aus der Februarnummer der gleichen Zeitschrift liegt eine Arbeit vor: Bernhard Hart, Epsom, England: The Conception of the Subconscious. Sie enthält eine klare Umgrenzung des Freud’schen Begriffes vom Unbewußten und verteidigt dessen Wissenschaftlichkeit.

Bleuler, Prof., Zürich: Zur Theorie des schizophrenen Negativismus. Psychiatr.- neurolog. Wochenschrift, XII. Jahrg. Juli–Aug. 1910. Nr. 18–21.
Wie man erwarten darf, läßt Bleuler die bisherigen klinischen Autoren weit hinter sich zurück. Schade, daß trotzdem die klinisch-deskriptive Betrachtungsweise, die ja das genaue Gegenteil des analytischen Verstehens sein muß, oft störend in die analytische Betrachtungsweise eingreift. Die Scheu, sich von der Beobachtung der Einzelerscheinungen zu weit wegzubegeben, erschwert die Einsicht. Z. B. sieht man den Ursachen, die B. für den Negativismus angibt, an, daß sie bei analytischer Vertiefung auf einheitlichere Formeln reduzierbar wären, und wir sind bereits soweit, daß wir diese weitere Reduktion vermissen. B. scheint der Schizophrenie (Dementia praecox) eine Art sejunctiven Prozeß zugrunde zu legen (wie Marcinowski in einem Vortrag in Nürnberg), die eine einheitliche Auffassung der psychogenen Krankheitsgruppen (Neurosen, manisch-depressives Irresein, Dementia praecox) erschwert.

Dr. A. A. Brill: Las psiconeurosis concebidas por Freud. Traducido por el Dr. F. M. Fernandez. Habana 1910.

Dr. C. M. Campbell: Psychological mechanisms with special regard to wish fulfillments. State Hospitals Bulletin, May 1909.
– A modern conception of Dementia praecox, with five illustrative cases. Review of Neurology and Psychiatry, October 1909.

Ferenczi, Die psychologische Analyse der Träume. Psychiatr.-neurolog. Wochenschrift; XII. Jahrg. Juni 1910. Knappe, übersichtliche Darstellung der Traumdeutungsprinzipien in einem Vortrag.

Freud, Die psychogene Sehstörung in psychoanalytischer Auffassung. Ärztliche Standeszeitung. Wissenschaftliche Beilage 9. 1910. Ausgezeichnete Einführung in das Wesen der Psychogeneität.

Dr. E. Jones: The psycho-analytic method of treatment. Journal of nervous and mental disease, May 1910.
– The Oedipus-Complex as an Explanation of Hamlets Mystery. American Journal of Psychology, January 1910.
– On the Nightmare. American Journal of Insanity, January 1910.

The Journal of Abnormal Psychology. Editor: Morton Prince. Bd. V, No. 1, April–Mai 1910 enthält:
Bezzola: The Processes needed to reorganize the mental Synthesis in treating the Neuroses. Kritisches Referat über einen Artikel in der Revue de Psychiatrie, Paris 1908. Behandelt die Psychosynthese Bezzola’s, welcher von den „Studien zur Hysterie“ aus eine technisch vollkommenere Methode bauen wollte, und dabei der weitern Entwicklung
der Analyse nicht nachgekommen ist.
The Theory of the „Complex“. By William A. White, M. D. of Washington D. C.Referat über eine gute Arbeit dieses Autors im Interstate Medical Journal, St. Louis, April 1909.
Nervous anxious States and their Treatment. By Dr. Wilh. Stekel. Referat über Stekels „Angstzustände” etc.
Originalartikel: Psychogenetic Convulsions, by Charles D. Fox, M. D. Philadelphia, P. A. Läßt vorsichtig einige analytische Gesichtspunkte einfließen.

Bd. V, No. 2, Juni–Juli 1910:
The Anxiety Neuroses, by A. A. Brill, New York City. Übersicht und psychoanalytische Kasuistik.
The Nature and Cause of the Galvanic Phenomenon. By Boris Sidis, Brookline, Mass. Beschäftigt sich mit der physiologischen Seite des Phänomens.
Ernest Jones referiert über das Jahrbuch I, 1.
In der Jahresversammlung, Mai 1910, wurden folgende Vorträge gehalten:
The Sex Symbolism in Dreams, by Putnam.
The Action of Suggestion in Therapeutics, by Jones.
The Anxiety Neuroses, by Brill.
Dreams as a Cause of Symptoms, by Waterman.
Mechanism of Dreams, by Morton Prince. 

Bd. V, No. 3, August–September 1910.
The Psycho-Analysis of a Case of Sensory Automatism, by Isador H. Coriat, Boston. Ein Fall mit umschriebenen Halluzinationen, der mit Assoziationsversuchen mi Berücksichtigung der Pulsreaktion untersucht wurde. Der Inhalt der Neurose ist aber nicht angegeben.
Report of a Case of Hysteria, Lyssophobia. First Crisis following a Dog Bite. By Henry W. Miller.
Tom A. Williams wehrt sich in einem Nachtrag zu dieser Arbeit dagegen, daß nur die Freud’sche Methode zum Ziel führe, und daß nur ein psychologischer Sachverständiger fähig sei, psychoneurotische Störungen zu verstehen.
The Oedipus-Complex. Referat über die Arbeit Jones im Americ. Journal of Psychology, Jan. 1910.
Jones referiert über Bemerkungen zur Psychologie der Zwangsvorstellungen und Verwandtenehe. Von Otto Juliusburger, Zentralbl. f. Nervenhlk. u. Psychiatr. Jhrg. XXXII. u. 398, S. 830, und
Beitrag zur Psychopathologie der hysterischen Dämmerzustände und Automatismen von B. Schwarzwald. Zeitschr. f. Psychol. und Neurol. Dez. 1909; ferner über:
Psychoanalyse bei einer melancholischen Depression. Von A. Maeder. Zentralbl. f. Nervenheilk. u. Psychiatrie. Jahrg. XXXIII, Nr. 302, und
A Study of Galvanometric Reflections due to Psychphysiological Processes. By Boris Sidis. Autoreferat.

Modena, Dott. Gustavo, Ancona: Psicopatologia ed etiologia dei fenomeni psiconeurotici. Contributo alla dottrina di S. Freud.
Rivista sperimentale di freniatria, vol. XXXV., fasc. II.–III. Direttore: A. Tamburini. Reggio-Emilia, 1909.
Zusammenfassendes historisches Referat, in welchem auch die Aussprüche der Gegner und Kritiker sorgfältig angebracht sind.

Dr. J. Putnam: Personal impressions of Sigmund Freud and his work, with spezial reference to his recent lectures at Clark University. Journal of Abnormal psychology, Vol IV, No. 5.

Dr. J. Sadger: Belastung und Entartung. Ein Beitrag zur Lehre vom kranken Genie. Verlag: E. Damme, Leipzig.

Dr. W. Stockmayer: Zur psychologischen Analyse der Dementia praecox. Zentralblatt für Nervenheilkunde und Psychiatrie, Bd. XX.
Veraguth, Dr. Otto, Zürich: Neurasthenie; eine Skizze. Berlin, Jul. Springer, 1910. Setzt sich an zahlreichen Stellen mit der psychoanalytischen Forschung auseinander. Recension folgt im „Jahrbuch“.

Dr. M. Wulff: Beitrag zur Lehre von der Herzneurose (Angstneurose). Deutsche Medizinische Wochenschrift, 1910, No. 2.

CB / III / 1910
Zürich, Dezember 1910, No. 3
CORRESPONDENZBLATT der internationalen psychoanalytischen Vereinigung
REDAKTION: DR. C. G. JUNG, KÜSNACHT b/ZÜRICH, ZENTRALPRÄSIDENT UND DR. F. RIKLIN, NEUMÜNSTERSTRASSE 34, ZÜRICH V, ZENTRALSEKRETÄR

I. Vereinsberichte.

CB / III / 1910 / 1-3

Ortsgruppe Wien.

1. Geschäftliches.
In der am 12. Oktober abgehaltenen konstituierenden Generalversammlung wurden folgende Herren in den Ausschuß gewählt:
Obmann: Dr. Alfred Adler;
Obmannstellvertreter: Dr. Wilh. Stekel;
Kassier: Dr. Maxim Steiner;
Bibliothekar: Dr. Eduard Hitschmann;
Schriftführer: Otto Rank.
Zum wissenschaftlichen Vorsitzenden wurde Professor Dr. S. Freud ernannt, der im Vorsitz mit dem Obmann und Obmannstellvertreter alterniert.
Als Revisor fungiert Herr Dr. Paul Federn.
Die Sitzungen finden in der Regel allwöchentlich und zwar an jedem Mittwoch im Sitzungssaale des Wiener Medizinischen Doktorenkollegiums, Wien I, Rotenturmstraße 19, statt.
Kurze Sitzungsberichte sollen fortlaufend im Zentralblatt für Psychoanalyse erscheinen.

2. Personalia.
In der in der 1. Nummer veröffentlichten Mitgliederliste sind durch ein Versehen ausgelassen worden:
Dr. phil. D. J. Bach, Wien, und
Dr. S. Ferenczi, Budapest.
Als neue Mitglieder wurden aufgenommen:
Herr Franz Grüner, Wien;
Herr Gustav Grüner, Wien;
Frau Dr. Hilferding, Wien;
Dozent Dr. Guido Holzknecht, Wien;
Dr. jur. Franz Freiherr v. Hye, Wien;
Stud. med. Paul Klemperer, Wien;
Dr. jur. Stefan v. Máday, Innsbruck;
Dr. Richard Nepalleck, Wien;
Generaldirektor Leopold Rechnitzer, Wien;
Dr. jur. Hanns Sachs, Wien;
Herr Herbert Silberer, Wien;
Stud. med. Richard Wagner, Wien;
Dr. phil. Alfred Freiherr v. Winterstein, Wien.
Kurz nach Erscheinen der 1. Nummer des Korrespondenzblattes ist Herr Dr. Fritz Wittels aus dem Verein ausgetreten.

3. Wissenschaftliche Mitteilungen.
1. Sitzung am 5. Oktober 1910. Zur Psychologie des einzigen und des Lieblingskindes. Referent: Dr. J. Sadger, Korreferent: Dr. J. K. Friedjung. – 2. Sitzung am

12. Oktober 1910. Diskussion zur Psychologie des einzigen und des Lieblingskindes. – 

3. Sitzung am 19. Oktober 1910. Dr. Alfr. Adler: Ein kleiner Beitrag zur hysterischen Lüge.
Referent zeigt an der Hand eines Falles, daß hinter jeder in der Kur auftretenden Lüge die Absicht stecke, den Arzt zu demütigen und sich über ihn zu erheben, eine Form der Aggressionseinstellung gegen den Arzt, die aus dem Minderheitsgefühl des Neurotikers und dem dialektisch daraus folgenden „männlichen Protest“ hervorgeht. –

4. Sitzung am 26. Oktober 1910. Prof. S. Freud: Über die zwei Prinzipien des psychischen Geschehens.
Die zwei Prinzipien sind das Lust- und das Realitätsprinzip. Die Beziehungen der Phantasie, des Bewußtseins, der religiösen Askese, der Wissenschaft und der Kunst zu diesen beiden Prinzipien werden erörtert und auf eine wahrscheinliche Beziehung derselben zur Neurosenwahl hingewiesen. –

5. Sitzung am 2. November 1910. Dr. Wilh. Stekel: Berufswahl und Neurose. Es werden fünf psychologische Möglichkeiten der Berufswahl beschrieben und an zahlreichen Beispielen erläutert. Zum Verständnis der Berufswahl wird auf die Berufsphantasien der Kinder zurückgegriffen, die eine auffällige Übereinstimmung mit dem Traumleben der Neurotiker zeigen und von dort her durchsichtig werden. – 

Sitzung am 9. November 1910. Diskussion über Berufswahl und Neurose. –
Sitzung am 16. November 1910. Referate und kleinere kasuistische Mitteilungen. –
Sitzung am 23. November 1910. Fortsetzung des Referierabends. –
Sitzung am 30. November 1910. Fortsetzung des Referierabends.

Die Wiener psychoanalytische Vereinigung hat beschlossen, schon in diesem Semester Lehrkurse für Psychoanalyse zu veranstalten. Bis jetzt sind folgende Kurse in Aussicht genommen, zu denen Anmeldungen bei den betreffenden Vortragenden
entgegengenommen werden:
1. Dr. Adler: Einführung in die Psychoanalyse (ab 15. Dezember).
2. Dr. Sadger: Technik der Psychoanalyse (Monat Januar)
3. Dr. Stekel: Praxis der Psychoanalyse und Traumdeutung (Febr.).

Dr. S. Ferenczi in Budapest hat über Aufforderung der dortigen „freien Schule“ am 27. Oktober 1910 einen Vortrag über „die psychoanalytische Betrachtung des Witzes und des Komischen“ gehalten. –
In dem unter seiner Leitung stehenden psychoanalytischen Seminar in Budapest wurden folgende Vorträge gehalten:
Dr. S. Hevesi, Oberregisseur des Nationaltheaters in Budapest: Psychoanalytische Beobachtungen im Theater (14. X.).
Dr. S. Ferenczi: Kasuistische Mitteilungen (28. X. 1910).
Dr. S. Kovácz, Professor der Musikwissenschaften: Über die Rolle der Projektion und Introjektion beim musikalischen Produzieren und Genießen.

4. Mitgliederliste.
1. Dr. Alfred Adler, Wien II, Czerningasse 7.
2. Dr. phil. D. J. Bach, Wien VII, Wimbergergasse 7.
3. Dr. Guido Brecher, Meran, Pension Erlenau.
4. Dr. Paul Federn, Wien I, Riemergasse 1.
5. Dr. S. Ferenczi, Budapest VII, Elisabethring 54.
6. Prof. Dr. S. Freud, Wien IX, Berggasse 19.
7. Dr. Josef K. Friedjung. Wien I, Ebendorferstraße 6.
8. Dr. Carl Furtmüller, Wien V, Zentagasse 6.
9. Dr. jur. Max Graf, Wien III/2, Unt. Viaduktgasse 35.
10. Franz Grüner, Wien VIII, Schlößlgasse 11.
11. Gustav Grüner, Wien VIII, Schlößlgasse 11.
12. Hugo Heller, Wien I, Bauernmarkt 3.
13. Frau Dr. Hilferding, Wien X 1, Favoritenstr. 112.
14. Dr. Eduard Hitschmann, Wien I, Rotenturmstraße 29.
15. Dr. Edwin Hollerung, Graz, Schillerstraße 24.
16. Dozent Dr. Holzknecht, Wien I, Liebiggasse 4.
17. Dr. Franz Freiherr v. Hye, Wien I, Seilerstätte 7.
18. Dr. Ludwig Jekels, Sanatorium Bistrai, b. Bielitz (Schlesien).
19. Dr. Albert Joachim, Sanatorium Rekawinkel (Niederösterreich).
20. Stud. med. Paul Klemperer, Wien I, Tuchlauben 7.
21. Dr. jur. Stefan v. Máday, Innsbruck, Mandelsbergerstraße 19, I.
22. Dr. Richard Nepalleck, Wien IX, Lazarethgasse 16.
23. Dr. phil. D. E. Oppenheim, Wien II, Zwerggasse 4.
24. Otto Rank, Wien IX, Simondenkgasse 8.
25. Generaldirektor Leopold Rechnitzer, Wien I, Kärntnerstraße 51.
26. Dr. Rudolf Reitler, Wien I, Dorotheergasse 6.
27. Dr. Oskar Rie, Wien I, Stubenring 22.
28. Dr. jur. Hanns Sachs, Wien XIX 1, Peter Jordanstraße 76.
29. Dr. J. Sadger, Wien IX, Liechtensteinstraße 15.
30. Dr. Maxim. Steiner, Wien I, Rotenturmstraße 19.
31. Dr. Wilhelm Stekel, Wien I, Gonzagagasse 21.
32. Herbert Silberer, Wien I, Annagasse.
33. Dr. Viktor Tausk, Wien III, Ungargasse 56.
34. Dr. Rudolf Urbantschitsch, Wiener Cottage Sanatorium, Wien XVIII, Sternwartestraße 74.
35. Stud. med. Richard Wagner, Wien IX, Porzellangasse 4.
36. Dr. phil. Alfred Freiherr v. Winterstein, Wien IV, Gußhausstraße 14.

CB / III / 1910 / 4

Ortsgruppe Berlin

3. Sitzung am 31. August 1910.
1. Dr. Hirschfeld: Über die Symbolik im Fetischismus.
2. Dr. Abraham: Über sadistische Phantasien im Kindesalter (kasuistische Beiträge). – 

Auf dem Intern. Kongreß für Irrenpflege in Berlin sprach Dr. Juliusburger über das psychoanalytische Verfahren. –
Am 7. Oktober wurde in Berlin die dritte Versammlung der Gesellschaft deutscher Nervenärzte eröffnet. Das Hauptreferat über Angstzustände hielten Oppenheim (Berlin) und Hoche (Freiburg i. B.).  Die Referenten brachten in keiner Beziehung Neues. Dagegen wurden heftigere Angriffe als je gegen Freud und die Psychoanalyse gerichtet. Die Argumente waren dieselben wie immer. Neu ist nur in einigen Beziehungen die Kampfesart: Sanatorien, in denen Psychoanalyse getrieben wird, soll man keine Patienten zuweisen. Die Diskussion, die wissenschaftlich völlig ergebnislos verlief, bestand wesentlich darin, daß eine Anzahl von  zur Diskussion stelle, „den Feind im eigenen Lager aufzusuchen“; man solle jeden Fall der Öffentlichkeit bekannt geben, in dem durch die Psychoanalyse dem Patienten Schaden zugefügt sei.

Sitzung am 12. November 1910.
1. Dr. Abraham, Referat: Inzest und Inzestphantasien in neurotischen Familien.  Kasuistische Mitteilungen über wirkliche Sexualbeziehungen innerhalb neurotischer Familien und über Krankheitssymptome auf
der Basis der Inzestphantasien.
2. Dr. Koerber, Korreferat. Mitteilung der Psychoanalyse einer Patientin, die mit ihrem Bruder im Inzest lebte. Der Fall ist ungewöhnlich dadurch, daß ein zweites Geschwisterpaar durch das erste ebenfalls zum Inzest verleitet wurde.
Adreßänderung: Dr. Simon, früher Bayreuth, jetzt: Psychiatrische Universitätsklinik in Greifswald.

CB / III / 1910 / 4-5

Ortsgruppe Zürich.

Sitzung vom 28. Oktober 1910. Pfr. Dr. Pfister: Hysterie und Mystik der Margarete Ebner (1291–1351). – Der Vortrag erscheint im Zentralblatt.

Sitzung vom 18. November 1910. Dr. F. Riklin: Der Entmannungskomplex (erste Hälfte). –
Als Mitglied wird aufgenommen: Dr. J. H. W. van Ophuijsen, Mittelbergstraße 61, Zürich V.
Adressenänderung:
Dr. Trigant Burrow hat sich als Psychoanalytiker niedergelassen in Baltimore, St. Paul Street 707.
Dr. Ewald Jung hat sich in Winterthur als Nervenarzt und Analytiker etabliert.

In Bern fand am 26. und 27. November die Winterversammlung des Vereins schweiz. Irrenärzte statt.
Im Programm war die Analyse stark vertreten.
So sprachen: Prof. Bleuler, Zürich: Über Ambivalenz;
Prof. v. Speyr, Bern: Über zwei eigentümliche Fälle von Affektverschiebung;
Dr. L. Binswanger, Kreuzlingen: Fragment aus der Analyse einer hysterischen Phobie;
Dr. F. Riklin, Zürich: Die „Allmacht der Gedanken“ bei der Zwangsneurose.
Die Vorträge von Binswanger und Riklin werden im „Jahrbuch“ publiziert werden.
Referate über die Versammlung werden erscheinen im „Centralblatt für Psychoanalyse“, im „Correspondenzblatt für Schweizer Ärzte“ und in der „Psychiatr.-neurolog. Wochenschrift“.
Besonders sympathisch war der wohlwollende Empfang, welchen der Verein als offizieller Vertreter der Schweizerischen Psychiater und zahlreicher Nervenärzte den Analytikern bereitete.
Der Präsident, Direktor Dr. Ris in Rheinau, führte aus: Er begrüße es, daß gerade im Verein der Psychiater diese brennenden psychologischen Fragen zur Diskussion gelangen. Er betrachte dies als einen Vorzug des Vereines und versichert, daß die jüngern Kräfte, welche ihre Arbeiten auf diesem Gebiete bringen, auf das Wohlwollen der Gesellschaft rechnen können.

CB / III / 1910 / 6-8

II. Mitteilung an die Ortsgruppen.

1. Zur definitiven Regelung der Berichterstattung an das „Correspondenzblatt“ ersucht die Redaktion um monatliche Einsendung der Berichte und Nachrichten jeweilen auf Ende jedes Monats.
Es wäre wünschenswert, daß in diesen Berichten nicht nur die summarische Angabe der Vorträge, sondern auch Publikationen von Mitgliedern, soweit sie analytisches Interesse haben, sowie allfällige, für den Fortschritt oder die Bekämpfung der Analyse wichtige Erscheinungen aus dem Bereiche der Ortsgruppen gebracht würden.
2. Auf begründeten Vorschlag der Wiener Ortsgruppe wird der Beginn des Vereinsjahres auf 1. Oktober festgesetzt. Die bisher bezahlten Mitgliederbeiträge gelten also bis 1. Oktober 1911, auf welches Datum der neue Jahresbeitrag einzuzahlen ist.

III. Verschiedenes. 

1. Dr. Ferenczi in Budapest hielt voriges Jahr einen Privatkursus über Psychoanalyse ab, der von zirka 12–13 Teilnehmern besucht war. Er gedenkt mit den brauchbaren Kräften dieser Gruppe auch dieses Jahr ein psychoanalytisches Seminar abzuhalten. Aus Mangel an passenden Mitgliedern konnte die Gründung einer Ortsgruppe in Budapest bis
jetzt nicht bewerkstelligt werden.
2. Im „Correspondenzblatt für Schweizer Ärzte“ fand diesen Sommer zwischen Dr. Haslebacher in Ragaz und Dr. Maag, Schloß Steinegg, Thurgau, eine etwas erregte Diskussion der Freud’schen Lehre statt. Sie war veranlaßt durch ein sachlich richtiges
Referat von Dr. Haslebacher über die Freudsche Sexualtheorie.
3. An der Jahresversammlung des kantonalen Pfarrvereins in Bern fand ein Vortrag von Pfr. Dr. Pfister, Zürich, statt über das Thema: „Was bietet die Psychoanalyse dem Pfarrer und was fordert sie von ihm?“ Die Diskussion war lebhaft und dem Referate nach (im Kirchenblatt für die reformierte Schweiz, 25. Jahrgang, No. 40) zu schließen, wurde der Vortrag von den Theologen im ganzen mit gutem Verständnis aufgenommen.
4. In der zweiten Auflage von Dubois, „Die Psychoneurosen und ihre Behandlung“, findet sich p. 347 eine recht ehrenrührige Behauptung, die „gewissen Ärzten“ eine besondere „salacitas“ ihrer Phantasie vorwirft. Gemeint ist die psychoanalytische Exploration.
5. Pfr. Dr. Pfister sprach am 26. Oktober im zürcherischen Pfarrkapitel über die psychoanalytische Erforschung der Bedingungen und Formen des religiösen Lebens.
6. In der New York Academy of Medicine sprach am 10. Oktober Dr. E. W. Scripture über „Psychoanalysis and Interpretation of Dreams“. Dr. Scripture hat bei Dr. Jung in Zürich gehört und zählt unter die Anhänger der Psychoanalyse.
7. Dr. Hinrichsen, Sekundararzt der psychiatr. Klinik in Basel, hielt im Oktober seine Antrittsvorlesung über die Ursachen der Geisteskrankheiten, in welcher er sich auch weitläufig mit der Psychoanalyse beschäftigt. Wie es nach den Zeitungsreferaten scheint, in absprechender Weise. Seine Auffassung scheint, wie bei den meisten, bei der Traumalehre stehen geblieben zu sein.
8. Wie jedes Semester, hält Dozent Dr. Jung, Zürich, ein vierstündiges Seminar über Psychoanalyse privatissime ab.

 

IV. Literatur.

1. In der Zeitschrift für Jugenderziehung etc., I. Jahrgang, No. 1 (Offiz. Organ d. schweiz. Verbandes für Jugenderziehung), Verlag von A. Trüb & Co., Aarau und Zürich, findet sich pag. 15 ein Artikel von Dr. P. Häberlin, Dozent der Philosophie in Basel, „Über zärtliche und strenge Erziehung“, worin psychoanalytische Erfahrung reichlich verwendet ist.
2. Dr. Max Löwy, Marienbad: Über Demenzprozesse und ihre Begleitprozesse, nebst Bemerkungen zur Lehre von der Dementia praecox. Jahrbücher für Psychiatrie und Neurologie, 31. Bd., 1910, Deuticke. Es finden sich darin p. 12, 24, 25, 51, 54 Bemerkungen und Auseinandersetzungen über die Ansichten der Zürcher Schule.
3. The Journal of Abnormal Psychology, Bd. V., No. 4. Morton Prince: The mecanism and interpretation of Dreams.
George A. Waterman: Dreams as a cause of Symptoms. Ein Autoreferat von Dr. Ernest Jones: Freud’s Theory of Dreams, Americ. Journ. Of Psychology, April 1910, p. 283.
4. In der Zeitschrift für die gesamte Neurologie und Psychiatrie von Alzheimer & Lewandowsky finden sich regelmäßige Referate über die psychoanalytische Literatur, fast ausschließlich in ablehnendem Tone. Die meisten Referenten sind bis zum Verständnis der spätern Freud’schen Schriften nicht durchgedrungen.
5. Der offizielle Bericht über „Lectures and Adresses, delivered before the Departments of Psychology and Pedagogy in celebration of the twentieth Anniversary of the opening of Clarc University”, September 1909, ist erschienen in Worcester, Mass., 1910.
6. Dr. Ernst Rittershaus, Die Complexforschung. Journal für Psychologie und Neurologie, red. v. Brodmann, Bd. XV 1909 u. 1910, Bd. XVI, 1910. Die Resultatebestätigen im Wesentlichen die Forschungen der Zürcher Schule.
7. Von Prof. Freud ist die „Sammlung kleiner Schriften zur Neurosenlehre aus den Jahren 1893 bis 1906“ in zweiter unveränderter Auflage erschienen. Von der „Traumdeutung“ ist eine dritte Auflage in Vorbereitung.
8. Prof. S. Freud: Eine Kindheitserinnerung des Leonardo da Vinci (7. Heft der Schriften zur angewandten Seelenkunde).
9. Dr. Eduard Hitschmann: Freuds Neurosenlehre. Nach ihrem gegenwärtigen Stande zusammenfassend dargestellt. Wien und Leipzig, 1910, F. Deuticke.
10. Von den von der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung herausgegebenen Diskussionen ist das 1. Heft: „Über den Selbstmord, insbesondere den Schülerselbstmord“ bereits erschienen.
11. Ebenso ist das erste Heft der von Prof. Freud unter der Redaktion von Dr. Adler und Stekel herausgegebenen „Zentralblatt für Psychoanalyse“ bereits (als Doppelheft) ausgegeben worden (Verlag J. F. Bergmann in Wiesbaden, wo auch die Diskussionen erscheinen).
12. Dr. Alfr. Adler: Trotz und Gehorsam (Monatshefte für Pädagogik und Schulpolitik, 2. Jahrg., Heft 9, September 1910).
13. Von Dr. L. Jekels wird demnächst eine polnische Übersetzung der Freud’schen „Fünf Vorlesungen über Psychoanalyse“ erscheinen.
14. Im „Boston Medical and Surgical Journal“ vom 21. Juli 1910 hat Professor James J. Putnam von der Harvard Medical School, einer der hervorragendsten Neurologen Amerikas, einen im Juni 1910 zu Toronto gehaltenen Vortrag: On the Etiology and Treatment of the Psychoneuroses publiziert, in welchem er in ungewöhnlich warmer Weise für die Psychoanalyse eintritt und insbesondere deren Tragweite und allgemeinen Wert nachdrücklich hervorhebt. Dieser Vortrag soll durch eine demnächst im „Zentralblatt für Psychoanalyse“ erscheinende Übersetzung der Öffentlichkeit auch in deutschen Ländern zugänglich gemacht werden.
15. Prof. Dr. S. Freuds Fünf Vorlesungen über Psychoanalyse, gehalten zur 20jährigen Gründungsfeier der Clark University in Worcester, Mass., September 1909, sind in russischer Übersetzung von Dr. N. E. Ossipow und Dr. B. Feltsman in Moskau als
1. Heft einer psychotherapeutischen Bibliothek erschienen (Moskau 1911).

CB / IV / 1911
Zürich, Februar 1911, No. 4
CORRESPONDENZBLATT der internationalen psychoanalytischen Vereinigung
REDAKTION: DR. C. G. JUNG, KÜSNACHT b/ZÜRICH, ZENTRALPRÄSIDENT UND DR. F. RIKLIN, NEUMÜNSTERSTRASSE 34, ZÜRICH V, ZENTRALSEKRETÄR

I. Vereinsberichte.

CB / IV / 1911 / 1

Ortsgruppe Berlin.

Sitzung am 8. Dezember 1910.
1. Dr. Juliusburger: Über mehrere Fälle von Neurosen und Psychosen mit besonderem Hervortreten der Inzestgedanken. –
2. Dr. Abraham: Mitteilung zweier Ödipus-Träume.

Sitzung am 5. Januar 1911.
1. Dr. Hirschfeld: Psychologisches über einen Sohn aus einem Inzestverhältnis von Vater und Tochter. – 2. Fräulein Dr. T. Rosenthal (a. G.): Psychoanalytische Bemerkungen zu Karin Michaelis „Das gefährliche Alter“. –
Als Mitglied aufgenommen: Dr. med. van de Linde, Berlin W., Schöneberger Ufer 40I.

CB / IV / 1911 / 1-2

Ortsgruppe Wien.

1. Geschäftliches. Neue Mitglieder: Herr Dr. med. Leonide Drosnes, Odessa; Herr
Gaston Rosenstein, Wien IX, Fluchtgasse 9.
2. Wissenschaftliche Sitzungen. 

7. Sitzung am 16. Nov. 1910.
1. Dr. M. Steiner: Über den Zusammenhang von Prostataerkrankung u. Neurose. –
2. Dr. D. Oppenheim: Volkskundliches Material zur Traumsymbolik.

8. Sitzung am 23. Nov. 1910.
3. Dr. A. Adler: Ein Beitrag zur Organminderwertigkeit. –
4. Dr. W. Stekel: Ein Beitrag zum psychischen Hermaphroditismus.

9. Sitzung am 30. Nov. 1910.
5. Dr. Carl Furtmüller: Ein Beispiel dichterisch verwendeter Symbolik. Referat über Staudenmaier: Versuch zur Begründung
einer experimentellen Magie (Ostwalds Annalen der Naturphilosophie). –
6. Dr. J. K. Friedjung: Zur Prognose intensiver Onanie. –
7. Prof. Freud: Über Traumdarstellung. 

10. Sitzung am 7. Dez. 1910.
8. Baron Winterstein: Aus Lichtenberg. –
9. Dr. Sachs: Referat über Spitzer: Wortbildung als stilist. Mittel. –
10. Franz Grüner: Über Chamissos Riesenspielzeug. –
11. Rank: Referat über Hirschfeld: Die Transvestiten, Über die Rettungsphantasie, Zur Traumdeutung. 

11. Sitzung am 14. Dez. 1910.
12. Frau Dr. Hilferding: Ein Traum Rosseggers. –
13. Dr. R. Reitler: Sexualphantasie und ihre Beziehung zur Selbstmordsymbolik. –
14. Dr. E. Hitschmann: Über einen Fall von Melancholie. Referat über: Heß Eppingen, Vagotonie. –
15. Franz Grüner: Mitteilung der Schrift von Peres: Beweis, daß Napoleon nicht gelebt hat. 

12. Sitzung am 21. Dez. 1910.
Dr. J. Sadger: Über sexualsymbolische Verwertung des Kopfschmerzes. – Redner führt aus, daß alle jene Kopfschmerzformen, die nicht irgendwie organisch oder toxisch bedingt sind, sich aber durch Hartnäckigkeit und Unkurierbarkeit auszeichnen, den Verdacht auf sexualsymbolische Besetzung wecken und von dieser Seite aus psychoanalytisch zu heilen sind, was an einer Reihe von Fällen erläutert wird.

13. Vortragsabend am 4. Januar 1911.
Dr. Alfred Adler: Einige Probleme der Psychoanalyse. –
Der Vortragende spricht zunächst über die Rolle der Sexualität in der Neurose und kommt zu dem an der Hand eines Beispiels illustrierten Ergebnis, daß alles was uns der Neurotiker an Libido zeiget, nicht echt sei, sondern vom männlichen Protest gesteigert, als riesenhaft empfunden wird. 

14. Vortragsabend am 11. Januar 1911.
Frau Dr. Hilferding: Zur Grundlage der Mutterliebe. –
Referentin kommt zu dem Schluß, daß es keine angeborene Mutterliebe gebe, daß aber doch durch die körperlich-sexuellen
Zusammenhänge, die zwischen Mutter und Kind bestehen (die Kindsbewegungen, Pflege, Stillen etc.) die Mutterliebe erworben werden kann und also bei den folgenden Kindern doch in gewissem Sinne als angeboren gelten könne. 

15. Sitzung am 18. Januar 1911.
Herbert Silberer: Magisches und Anderes. –
Redner zieht zum psychologischen Verständnis eine Gruppe von magischen Erscheinungen den von ihm in zwei Arbeiten (Jahrbuch Bd. I u. II) entwickelten Gesichtspunkt des funktionalen Phänomens heran, wonach sich nicht nur der Vorstellungsinhalt, sondern auch die jeweilige Funktionsweise des Bewußtseins in ein anschauliches Bild, in ein Symbol umsetzt. 16. Sitzung am 25. Januar 1911. Baron Winterstein: Über das Schuldgefühl. – Die Entstehung des Schuldgefühles, das der Neurose, Religion, Kunst und Ethik zugrunde liegt, wird auf Grund des psychoanalytischen Verständnisses der Zwangsneurose mit der Verdrängung des Trieblebens in innigen Zusammenhang gebracht und an der tragischen Schuld im Drama seine Herkunft aus dem Inzestkomplex zu erweisen gesucht.

CB / IV / 1911 / 3

Ortsgruppe Zürich.

Sitzung vom 2. Dezember 1910.
Dr. Ewald Jung: Referat über das Buch von Dr. Otto Groß „Psychopathische Minderwertigkeiten“; erscheint im Jahrbuch. 

Sitzung vom 16. Dezember 1910. Dr. C. G. Jung: Historisch-psychologische Erörterungen zu einem religiösen Gedicht. – Der Vortrag ist ein Stück aus einer größeren Arbeit, die in den nächsten Bänden des Jahrbuches erscheint. –
Es wird beschlossen, von Zeit zu Zeit öffentliche Sitzungen zu veranstalten, um einem größeren Publikum Gelegenheit zu
geben, sich in Fragen der Psychoanalyse zu orientieren. –
Die Gründung einer eigenen Bibliothek wird beschlossen. 

Öffentliche Sitzung vom 13. Januar 1911. Dr. Hans Maier, Burghölzli (als Gast): Vorstellung eines Falles von paranoider Demenz.

Sitzung vom 27. Januar 1911.
Dr. Nelken: Analyse eines Falles von Dementia praecox. –
Dr. F. Riklin: Analyse eines Zahlentraums. – Analyse einer Lüge.

Adressenänderungen:
Dr. Alphonse Maeder, Vogelsangstraße 46, Zürich IV.
Dr. J. Honegger, Assistenzarzt, Rheinau (Kt. Zürich).
Neue Mitglieder:
Direktor Dr. Hans Bertschinger, Irrenanstalt Breitenau, Schaffhausen.
Prof. Dr. E. Bleuler, Burghölzli, Zürich V.
Dr. Karl Gehry, Sekundararzt, Rheinau (Kt. Zürich).
Hr. Gut, V. D. M., Kappelergasse 17, Zürich I.
Dr. med. Haslebacher, Kurarzt, Ragaz.
Dr. Nunberg, Assistenzarzt, Breitenau, Schaffhausen.
Dr. Itten, Assistenzarzt, Burghölzli, Zürich V.
Dr. Wilhelm Pfenninger, Sekundararzt, Heil- und Pflegeanstalt Herisau (Kt. Appenzell A.-Rh.).

CB / IV / 1911 / 3-4

II. Literatur.

1. Prof. Freud: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie (2. Auflage 1910) sind vor kurzem in einer englischen Übersetzung von A. A. Brill (New York) mit einer Vorrede von James J. Putnam, als 7. Heft der „Nervous and Mental Disease Monograph Series“ unter dem Titel: „Three Contributions to the Sexual-Theory“ (New York, 1911) erschienen.
2. Das „Jahrbuch” II. Bd., 2. Teil ist erschienen.
3. E. Abramowsky: La résistance de l’oublié et les sentiments génériques. Travail du laboratoire de psycho-physiologie de l’université de Bruxelles. Journ. de Psychol. norm. Et patholog., juillet-août 1910 No. 4.
4. Ernest Jones, The practical value of the word-association method in the treatment of the psycho-neuroses. Review of Neurology and Psychiatry, nov. 1910.
5. E. Jones, Simulated foolishness in hysteria. Americ. Journ. of Insanity, vol. LXVII, No. 2, oct. 1910.
6. E. Jones, Psycho-analysis and education. Journ. of Educational Psychology, nov. 1910.
7. E. Jones, The relation between organic and functional nervous diseases. Dominion Medical Monthly, dec. 1910.
8. Brill, The anxiety neuroses. Journ. of abnorm. psychol., june-july 1910.
9. Brill, Dreams and their relation to the neurosis. New York Medical Journal, april 1910.
10. Grace Helen Kent and A. J. Rosanoff, A study of association in insanity. Americ. Journ. of Insanity, vol. LXVII, No. 182, 1910.
11. Th. Goett, Associationsversuche an Kindern. Zeitschrift für Kinderheilkunde, Bd. I, Heft 3 u. 4.
12. Schrumpf, Die psychogene Labilität des Blutdrucks und ihre Bedeutung in der Praxis. Deutsche med. Wochenschrift Nr. 51, 1910.
13. O. Laubi, Zürich. Nochmals die psychogenen Sprachstörungen. Monatsschrift für die gesamte Sprachheilkunde, 1910.
14. In den großen amerikanischen Zeitungen macht ein Artikel über die psychoanalytische Methode die Runde. Er basiert auf einem Interview mit Dr. Burrow in Baltimore (Mitglied der Ortsgruppe Zürich). In der dem Johns-Hopkins-Hospital neuerdings
angegliederten Henry-Phipps-Psychiatric Clinic soll eine Abteilung eingerichtet werden für Anwendung der Psychoanalyse. Der Direktor ist Prof. Ad. Meyer.

CB / V / 1911
Zürich, April 1911, No. 5
CORRESPONDENZBLATT der internationalen psychoanalytischen Vereinigung
REDAKTION: DR. C. G. JUNG, KÜSNACHT b/ZÜRICH, ZENTRALPRÄSIDENT UND DR. F. RIKLIN, NEUMÜNSTERSTRASSE 34, ZÜRICH V, ZENTRALSEKRETÄR

I. Vereinsberichte.

CB / V / 1911 / 1

Ortsgruppe Berlin.

Sitzung am 9. Februar 1911.
1. Dr. Stegmann: Ergebnisse der Psychotherapie in einigen Fällen von Asthma. –
2. Dr. Abraham: Psychoanalyse einer Zwangsneurose.
Sitzung am 18. März 1911. Dr. Koerber: Über Autoerotismus und Narcissismus.
Sitzung am 18. April 1911 in Dresden. Dr. Abraham: Psychoanalyse einer hysterischen Pseudoepilepsie.
Als Mitglied wurde aufgenommen: Fräulein Dr. M. Gincburg, Berlin NW, Charitéstraße 9.
Im März hielt Dr. Abraham einen vierwöchentlichen Kurs über Freuds Neurosenlehre.

CB / V / 1911 / 1

Ortsgruppe München.

Unter dem Vorsitz von Dr. Ludwig Seif hat sich in München eine Ortsgruppe gebildet. Nähere Mitteilungen stehen noch aus.


CB / V / 1911 / 1-2

Ortsgruppe New York.

The New York Psychoanalytic Society was organized February 12, 1911 and is now incorporated under the laws of the State of New York.
Meetings are held on the first Tuesday of every month.

 A Special Meeting was held March first with the following program:
1. Discussion of the Constitution prepared for the Society.
2. Paper: “A Fragment of the Analysis of a Compulsion Neurosis” by Dr. A. A. Brill.
3. Discussion of Dr. Brill’s paper.

The Regular Meeting, March 28th, had the following program:
1. Paper: “Freud’s Theory of Sex” by Dr. E. W. Scripture.
2. Presentation of a case, by Dr. C. P. Oberndorf.
3.Discussion of papers.

At the next meeting to be held April the program will be a paper, “Analysis of a Mixed Neurosis” by Dr. H. W. Frink.

Members of The New York Psychoanalytic Society.
Officers:
A. A. Brill (President), 97 Central Park West, New York.
B. Onuf (Vice-President), Knickerbocker Hall, Amityville, Long Island, New York.
H. W. Frink (Secretary and Treasurer), 34 West 83d Street, New York.
Active Members:
L. E. Bish, 239 West 165th Street, New York.
C. O. Cheney, 1215 Vyse Avenue, New York.
H. L. Day, Manhattan State Hospital, Ward’s Island, New York.
F. J. Farnell, 171 Westminster Street, Providence, Rhode Island.
W. V. P. Garretson, 112 West 85th Street, New York.
W. C. Garvin, Manhattan State Hospital, New York.
A. Hoch, Manhattan State Hospital, New York.
M. J. Karpas, Manhattan State Hospital, New York.
M. Keshner, 264 East 7th Street, New York.
G. H. Kirby, Manhattan State Hospital, Ward’s Island, New York.
C. P. Oberndorf, 320 Central Park West, New York.
F. Peterson, 20 West 50th Street, New York.
R. E. Pou, 20 West 50th Street, New York.
C. Ricksher, Manhattan State Hospital, Ward’s Island, New York.
E. W. Scripture, 87 Madison Avenue, New York.
F. W. Stechman, 321 East 18th Street, New York.
S. A. Tannenbaum, 243 East 7th Street, New York.
Associate Member:
Mr. L. Horton, Hartley Hall, Columbia University, New York.

CB / V / 1911 / 2-5

Ortsgruppe Wien.

Geschäftliches.
Im Vorstande der Wiener psychoanalytischen Vereinigung sind folgende Änderungen eingetreten: An Stelle des von seiner Funktion als Obmann zurückgetretenen Dr. Adler und des gleichfalls von der Funktion des Obmann-Stellvertreters zurückgetretenen Dr. Stekel wurde zum Obmann der Vereinigung per Akklamation Herr Prof. Freud
gewählt.
Das Wahlresultat bezüglich der andern gleichfalls in statu demissionis getretenen Ausschußmitglieder ergab folgendes Resultat: Obmann-Stellvertreter Dr. Eduard Hitschmann, Bibliothekar Dr. Hanns Sachs, Kassier Dr. Maxim. Steiner, Schriftführer Otto Rank.
Als Mitglied wurde aufgenommen Herr stud. Bernhard Dattner, Wien IX., Elisabethpromenade 17.

17. Sitzung am 1. Februar 1911.
Dr. Alfred Adler: Der männliche Protest, seine Rolle und Bedeutung in der Neurose.
Von einer kritischen Betrachtung des Begriffes der Verdrängung ausgehend, schildert der Vortragende die Einfügung des Kindes in die Kultur, die von intensiver Trotzeinstellung begleitet sei und macht für diese Einstellung, diese Lust am Verkehrten, Verbotenen, in Verbindung mit einer Gier nach Geltung, zwei Durchgangspunkte der psychischen Entwicklung verantwortlich: 1. Das Aufkeimen eines Minderheitsgefühls im Zusammenhang mit einer Minderwertigkeit gewisser Organe, und 2. deutliche Hinweise auf eine jeweilige Befürchtung vor einer weiblichen Rolle. An Hand eines Falles wird darauf hingewiesen, daß der Pat. weder seine Libido verdrängt hatte, vor der er sich ja fortwährend zu sichern suchte, noch seine Phantasien, die er ja als Schreckbilder für sich aufrichtete, noch schließlich den Ödipuskomplex, der als Teilerscheinung des männlichen
Protestes zu verstehen sei. 

18. Sitzung am 8. Februar 1911. Diskussion über Dr. Adlers Vortrag (17. Sitzung).

19. Sitzung am 15. Februar 1911.
Dr. Hanns Sachs: Über die Anwendbarkeit der Psychoanalyse auf Werke der Dichtkunst.
Nachdem der Vortragende die Einwendungen zu widerlegen versucht hat, die sich gegen die Anwendung der Psychoanalyse auf Werke der Dichtkunst erheben können, gibt er eine kurze Analyse von Heines Loreley und erörtert dann im einzelnen die Beziehungen des Tagtraumes zur Dichtung, um schließlich die Wirkung des Kunstwerks mit der unbewußten Wirkung bei der Suggestion (Hypnose, Ferenczi) in Parallele zu stellen.

20. Sitzung am 22. Februar 1911. Fortsetzung der Diskussion über Adlers Vortrag (v. 1. Febr.).

21. Sitzung am 1. März 1911.
Prof. Freud: Materialien zur Traumlehre. Es werden zwei neue Sexualsymbole (die Krawatte als männliches, das Holz als
weibliches) aus Träumen erwiesen, ferner einige technische Kunstgriffe zur Symbolik (Ort, an dem man schon einmal war) wie zur Umkehrungsdeutung (doppelte Umkehrung) gegeben und endlich drei Beispiele auf die Annahme Swobodas hin geprüft, daß das Material des Traumes vor einem periodischen Zeitintervall erlebt wurde. Die ausführliche Analyse ergibt in zwei Fällen allerdings ein periodisches Intervall, aber die Ereignisse des Traumtages determinieren das Traummaterial in völlig ausreichender Weise, so daß der Einfluß der periodischen Fälligkeit sehr zweifelhaft bleibt.

22. Sitzung am 8. März 1911.
Bernhard Dattner: Psychoanalytische Probleme in Dostojewskis Raskolnikow.
Der Vortragende betrachtet, unter psychoanalytischer Verwertung des Traumes, den Raskolnikow vor dem Morde hat und der den Anstoß zur Tat gibt, den von dem Helden vollführten Mord aus drei Gesichtspunkten: 1. aus welchen Motiven er die Tat begehen wollte, 2. aus welchen Motiven er selbst sie begangen zu haben glaubt, und 3. Aus welchen Motiven er sie wirklich begangen hat. Er kommt zu dem Schluß, daß sowohl das Motiv des sozialen Mitleids als auch die großmannssüchtige Identifizierung mit Napoleon hinter dem eigentlichen Motiv zurücktreten müsse, das von dem Mutter- Schwesternkomplex entstamme.

23. Sitzung am 15. März 1911.
Dr. Friedrich S. Krauss als Gast: Das Mieder in Sitte und Brauch der Völker.
Von der Tatsache des Miederfetischismus ausgehend erläutert der Vortragende an einem reichen folkloristischen Material, daß nicht nur die Schlankheit des Frauenleibes, die Taille, sondern in noch viel höherem Grade die Fettleibigkeit der Frau bei den meisten Völkern dem Idealtypus entspreche. Von dem Gesichtspunkte, daß das Mieder nicht so sehr der Frau als dem Manne unentbehrlich sei, indem es ihm die sekundären Geschlechts-Charaktere des Liebesobjektes in sinnlicher Weise darbiete, glaubt der Vortragende für das Mieder als Schönheitsmittel der Frau und damit als Kulturfaktor eintreten zu sollen.

24. Sitzung am 22. März 1911.
Referate und kleinere kasuistische sowie sonstige Mitteilungen.
1. Frau Dr. Hilferding: Über einen Fall von hysterischem Erbrechen.
2. Dr. Sachs: Deutung eines Traumes auf Grund der symbolischen Bedeutung der Krawatte.
3. Dr. D. E. Oppenheim: Zwei psychoanalytisch interessante Dichterstellen: a) aus Lenaus Faust, b) aus Dostojewskis Roman: Ein Werdender.
4. Dr. J. Sadger: Über Mondsucht und Nachtwandeln. Über die Masturbationsphantasien.

25. Vortragsabend am 29. März 1911.
Referate und kleinere kasuistische sowie sonstige Mitteilungen (II).
5. Dr. Furtmüller: Eine Knabenphantasie Goethes.
6. Dr. Hitschmann: Über Nachwirkung der Träume und Beeinflussung des Wachzustandes durch dieselben. – Über die Beziehung von Traum und Dichtung.
7. G. Grüner: Psychoanalytische Betrachtung eines Witzes.
8. Dr. R. Reitler: Über Leonardo da Vincis „Anatomische Darstellung des Geschlechtsaktes“. – Über tendenziöses Vergessen. 9. Dr. D. Oppenheim: Über ein Detail des Osirismythus. – Material zur Frage des Ödipusmythus.

CB / V / 1911 / 5 Zürich, April 1911

Ortsgruppe Zürich.

Sitzungen. 10. März:
Dr. C. G. Jung, Kritik über „Interpretations of dreams“ v. Morton Prince. –
Dr. Binswanger, Neue Kritiken über Traumanalyse.

24. März:
Dr. Maeder, Beobachtungen aus England. –
Dr. C. G. Jung, Ein Zahlentraum. – Über Traumanalyse.

Am 28. März starb unser Mitglied Dr. J. Honegger in Rheinau. Ein kurzer Nekrolog folgt in der nächsten Nummer.

CB / V / 1911 / 5-6

II. Mitteilungen.

 1. Als diesjähriger Congressort ist Weimar in Aussicht genommen. Die Ortsgruppe Berlin hat sich anerboten, das Arrangement zu übernehmen. Als Datum kam ursprünglich in Betracht der 23. und 24. September. Da nun dieses Datum mit dem Naturforscherkongreß in Karlsruhe collidiert, so wird statt dessen der 16. und 17., oder der 21. und 22. September vorgeschlagen. Die Ortsgruppen werden um Mitteilung ihrer Meinung an den Centralvorstand ersucht.
2. Der Centralvorstand bittet dringend, Adressenänderungen sofort mitzuteilen.

III. Literatur.

Als 10. Heft der Schriften zur angewandten Seelenkunde erschien von Ernest Jones (Toronto): Das Problem des Hamlet und der Ödipuscomplex. Übersetzt von P. Tausig.
Dr. Wilhelm Stekel: Die Sprache des Traumes. Eine Darstellung der Symbolik und Deutung des Traumes in ihren Beziehungen zur gesunden und kranken Seele für Ärzte und Psychologen (Wiesbaden, Bergmann 1911).
Dr. J. K. Friedjung: Die Pathologie des einzigen Kindes (Wiener Mediz. Wochenschrift Nr. 6, 1911).
Dr. K. Escher: Assistenzarzt, Münsingen (Schweiz): Zur Frage der Psychoanalyse. „Der Kirchenfreund“ Nr. 3 u. 4, 3. u. 17. Febr. 1911, Basel, Verlag v. Helbing u. Lichtenhahn.
Prof. Asnaourow, La crise sexuelle en Russie. Archives d’Anthropologie criminelle, tome XXVI, no. 208, 15 avril 1911, Paris et Lyon, Rey & Masson, éditeurs.
B. Hart, Freud’s Conception of Hysteria. Brain, A Journal of Neurology, ed. by Henry Head, London & New York, Macmillan & Co. 1911, Part. 131, Vol. 33. Mit einem Literaturverzeichnis.
E. Jones, The Action of Suggestion in Psychotherapy. Journ. of Abnorm. Psychology, Boston, Dec. 1910–Jan. 1911.
E. Jones, The Therapeutic Effect of Suggestion, Canadian Journ. of Med. and Surgery, Toronto 1911.
Aug. Hoch, Constitutional factors in the Dementia-praecox-Group. Review of Neurology and Psychiatry, Aug. 1910.
Aug. Hoch, On some of the Mental Mechanisms in Dementia praecox. Journ. Of Abnorm. Psych., Boston, Dec 1910–Jan. 1911.
Vom Centralblatt für Psychoanalyse ist Heft 5/6 erschienen.

CB / VI / 1911
Zürich, August 1911, No. 6
CORRESPONDENZBLATT der internationalen psychoanalytischen Vereinigung
REDAKTION: DR. C. G. JUNG, ZENTRALPRÄSIDENT UND DR. F. RIKLIN, ZENTRALSEKRETÄR. KÜSNACHT b/ZÜRICH

I. Vereinsberichte.
CB / VI / 1911 / 1

Ortsgruppe Berlin.

Sitzung am 24. Juli 1911.
1. Dr. Koerber: Über das Phänomen der Sexualablehnung.–
2. Dr. Abraham: Analyse eines Falles von Agoraphobie.

Als Mitglieder aufgenommen:
Dr. Ernst Lenz, Assistenzarzt der II. Medicin. Klinik,
Königl. Charité, Berlin NW. –
Dr. Poul Bjerre, Stockholm, Östermalmsgatan 43.

CB / VI / 1911 / 1

Ortsgruppe München.

In München wurde am 1. Mai eine psychoanalytische Ortsgruppe gegründet.
Mitglieder:
Dr. Leonhard Seif, Vorstand, Franz Josefstr. 21,
Dr. Wilhelm Wittenberg, Arcisstr. 6, Schriftführer,
Dr. phil. Emil Frh. v. Gebsattel, Max Josefstr. 6,
Dr. phil. Willi Haas, Steinstr. 1,
Dr. Arthur Ludwig, Adalbertstr. 6,
Hofrat Dr. Ernst Zehm, Neufriedenheim (Sanatorium).

CB / VI / 1911 / 1-2

Ortsgruppe New York.

Meeting of Tuesday, May 23d at 97 Central Park, West, New York. Programme:
I. “A Study of a Case of Psycho-Pathic Personality with Hysterial Manifestations” by Dr. M. J. Karpas.
II. “Anal Eroticism and Character” by Dr. A. A. Brill.

Meeting of Tuesday, June 27th, at 8 P. M., at the Arion Club, 59th Street and Park Ave.  Programme as follows.
1. “Analysis of a Case of Dementia Praecox” by Dr. M. J. Karpas.
2. Informal discussion of psychoanalysis with special reference to technique. Opened by Dr. A. A. Brill.

New Members:
Dr. Ralph Folsom, Manhattan State Hospital, Ward’s Island, New York;
Dr. Louis Casamayor, 342 West 56th Street, New York;
Dr. J. Rosenbloom, 437 West 59th Street, New York;
Dr. Louis Sheinman, 1931 Madison Avenue, New York;
Dr. Walter Timme, 158 West 95th Street, New York.

CB / VI / 1911 / 2

Ortsgruppe Wien.

Geschäftliches.
Als neue Mitglieder wurden aufgenommen:
Herr Dr. M. Wulff, Odessa, Puschkinskaja 55;
ab Herbst: Herr Dr. phil et stud. med. Josef Reinhold, Wien IX., Borschkegasse 6.
Folgende Adressenänderungen sind eingetreten:
Herr Dr. Alfred Adler wohnt jetzt Wien I. Dominikanerbastei 10,
Herr Dr. Max Graf wohnt jetzt Wien XIII/1, Wattmanngasse 7,
Herr Dr. Viktor Tausk wohnt jetzt Wien XVII, Syringgasse 5,
Herr Dr. Gaston Rosenstein wohnt jetzt Wien XIX, Sandgasse 31.

Die Vereinigung Wiener Mediziner veranstaltet einen Zyklus von 12 Vorträgen:
„Einführung in die Psychoanalyse“ im großen Hörsaal des physiologischen Instituts; zwei je zweistündige Vortragsabende die Woche, Vortragender Dr. Viktor Tausk.
Disposition: Psychopathologie des Alltagslebens, Traumdeutung, Sexualtheorie, Neurosenlehre, allgemeine Anwendbarkeit der psychoanalytischen Thesen auf andere Gebiete des Geisteslebens, Prinzipien einer Theorie vom Unbewußten. –
Der erste Vortrag fand am 16. Mai 1911 statt.

Sitzungsberichte der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung.

27. Sitzung, am 19. April 1911: R. Wagner: Über Lanval.
Von dem Drama des modernen Dichters, Eduard Stucken, greift der Vortragende auf die alte Fassung der Lanvalsage zurück, die bei weitem deutlicher als die moderne Bearbeitung den Inzestkomplex verrät, daneben aber auch den zweiten Hauptkomplex der Sage, den Masturbationskomplex deutlich erkennen läßt, der insbesondere in dem Motiv der Verheimlichung zum Ausdruck kommt und sich an zahlreichen Stellen der modernen Dichtung durchdrängt. Den unbewußten Sinn des Dramas faßt der Vortragende dahin zusammen, daß es die dichterische Fassung der allgemein menschlichen Tragödie des psychisch impotenten Schuldneurasthenikers sei, der an seinem hartnäckigen Festhalten am Autoerotismus zugrunde geht.

28. Sitzung am 26. April 1911.
Diskussion über das Buch von W. Stekel: Die Sprache des Traumes. Wiesbaden 1911.

29. Sitzung am 3. Mai 1911.
Dr. J. Sadger: Über Haut-, Schleimhaut- und Muskel-Erotik.
Von den erogenen Zonen Freuds unterzieht der Vortragende zwei einer besonderen Besprechung: die Haut mit ihrer Differenzierung in Schleimhaut und Sinnesorgane und die Muskulatur. Haut-, Schleimhaut- und Muskel-Erotik kommen gewöhnlich zusammen vor, doch gibt es auch Fälle reiner Hauterotik, bei denen allerdings mitunter auch die
Exhibitionslust stark mitspielt. Eine typische Äußerung der Hautsexualität ist das Kitzelgefühl, das sich in eminenter Weise bei Menschen findet, die noch keinen regelmäßigen Sexualverkehr haben. Auch verschiedene Dermatosen (Pruritus, manche
Formen von Urticaria und Ekzem) haben nahe Beziehungen zur Hauterotik. Eine Neurose der letzteren ist die Akroparästhesia – Friedrich Schulze. – Haut-, Schleimhaut- und Muskel-Erotik erklären z. T. auch die Stigmen der Hysterie und traumatischen Neurose (Rückkehr zur infantilen Hauterotik). Es werden dann einige für die Erotik der Sinnesorgane charakteristische Erscheinungen beschrieben (Nasenbohren, nervöse Sehund Hörstörungen) und schließlich die Erscheinung der Muskel-Erotik (Strampeln, Springen, Raufen der Buben; Bedürfnis nach Küssen, Tanzen, Umarmungen etc. bei Mädchen). Eine Neurose der Muskelerotik ist der Tic. Die Bedeutung der Haut-, Schleimhaut- und Muskel-Erotik für den Kulturfortschritt wird geltend gemacht und auf ihre Beziehung zum rapiden Anwachsen der Sportbewegung in unserem Jahrhundert hingewiesen. Diese extragenitale Erotik wird dadurch wertvoll, daß sie die gefahrlose Aufspeicherung einer enormen Menge von Sexualität gestattet, zugleich aber in ganz außerordentlichem Maße sublimierbar ist.

30. Sitzung am 10. Mai 1911.
Dr. Viktor Tausk: Ein Beitrag zur Psychologie des Masochismus.
In den seit dem 6. Lebensjahre bestehenden masochistischen Phantasien des auch leicht zwangsneurotischen Pat. spielt die Mutter eine tragende Rolle, mit der Pat. bis zu seinem 9. Lebensjahr in inniger Liebe lebte, die sich aber von da ab feindselig gegen das Kind einstellte, das auf diese Weise enttäuscht sich nach einem schweren Konflikt von der Mutter abwendet, die er heute direkt haßt. Es hat aber diese eigentümliche Einstellung der Mutter nicht zum Masochismus des Knaben geführt, der ja schon bei der liebevollen Behandlung der Mutter bestand.
Zum Verständnis der masochistischen Lustempfindung gelangt man, bei Pat. Auf zweierlei Weise. 1. beißt er sich nach Wutanfällen selbst, eine Form des Abreagierens abnormer sadistischer Anwandlungen, die möglicherweise vorzutäuschen vermag, daß der Schmerz selbst es ist, der wohl tut. 2. Vom Komplex der Analerotik aus, die bei dem Pat. ganz besonders betont und durch Reizungen aller Art gesteigert erscheint. Pat. vermag nur passiv, von der Afterzone aus, sexuelle Lust zu
genießen und da ihm die päderastische Befriedigungsmöglichkeit unbewußt bleibt, so muß er sich vermittels der Kastrationsphantasie zum Weibe machen. Die Kastrationsphantasie ist aber außerdem eine vom Vater ausgehende Strafe für die auf die Mutter gerichteten aggressiven Wünsche.

31. Sitzung am 17. Mai 1911.
Referate und kleinere kasuistische sowie sonstige Mitteilungen I.
1. Dr. Sachs: Beiträge zu Stekelschen Symbolen.
2. Dr. Graf: Eine kleine aktuelle Mitteilung.
3. Dr. Tausk: Eine funktionale Fehlleistung; Analyse eines Worttraumes; eine interessante Determinierung.
4. Dr. Hitschmann: Goethe über Kleist; Belege aus der Literatur; Beispiel einer beweiskräftigen Symbolik.
5. Prof. Freud: Traumdarstellungen im Witzblatt. 6. Herr Heller: Ein Beitrag zum Inzestthema.
7. O. Rank: Buchreferat; Zur Sagendeutung; Aus Schopenhauer.

32. Sitzung am 24. Mai 1911.
Referate und kleinere kasuistische und sonstige Mitteilungen II.
8. Dr. J. Sadger: 1. Zur Frage der Fugue; 2. Zur Erklärung des Exhibitionismus.
9. Dr. Furtmüller: Über eine psychoanalytisch interessante Erkrankung eines Schulmädchens.
10. Frau Dr. Hilferding: Über eine Stelle aus Werner Sombarts: Die Juden.
11. Heller: Über Todesahnungen.
12. Prof. Freud: Zum Kastrationskomplex; Aufklärung einer Traumhandlung.

33. Sitzung am 31. Mai 1911.
Referate und kleinere kasuistische sowie sonstige Mitteilungen III.
13. Richard Wagner: Zum Ödipuskomplex (Aus Hauptmanns Griechischem Frühling).
14. Dr. R. Reitler: Ein Beitrag zur Sammelforschung über Sexualsymbolik.
15. Dr. Oppenheim: Zur Sexualsymbolik.
16. Dr. W. Stekel: Graphologisches; Referate; Zur Traumsymbolik. 
17. Dr. V. Tausk: Mitteilung eines Traumes.
18. Dr. Carl Furtmüller: Referat über Bormann; Die Namen in Goethes Götz.
19. Prof. Freud: Zur Traumsymbolik.
20. Diverses.
Mit Ende Mai wurden die Sitzungen der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung für die Dauer der Sommerferien unterbrochen, um im Spätherbst wieder aufgenommen zu werden.

CB / VI / 1911 / 4-5

Ortsgruppe Zürich.

Sitzung am 12. Mai 1911.
Dr. C. G. Jung: Casuistisches. Unter diesem Titel bringt der Vortragende einige Träume, worunter einer durch seine mythologischen Beziehungen bedeutsam ist. Es handelt sich um die Bedeutung des Aufhängens (Kreuzigens) als Opferhandlung und als Libidogleichnis.
Als Mitglied wird neu aufgenommen: Oskar Rothenhäusler, dipl. Apotheker, stud. med. Zürich V.

Sitzung am 25. Mai 1911.
Dr. Maeder: Über die Traumfunktion.
Es gibt, teleologisch betrachtet, neben der Funktion des Traumes als Hüter des Schlafes noch eine weitere, die der Erledigung von Komplexen dient, sei es im Sinn des Abreagierens, sei es im Sinn einer Vorbereitung zur befreienden Tat.
Wahl des Vorsitzenden:
Zum Präsidenten wird gewählt: Dr. Maeder;
zum Sekretär: Dr. J. H. W. van Ophuijsen.

Sitzungen.
9. Juni: Dr. Riklin, Über die Realisationstendenz. –
23. Juni: Dr. Itten, Bruchstücke aus der Analyse von drei Fällen von Dementia praecox. –
7. Juli: Dr. Nelken, Die Geschichte eines Inzestes. –
21. Juli: Dr. Nelken, Die Geschichte eines Inzestes (Schluß). – Dr. Itten, Analytisches aus der Dementia praecox (Schluß des Vortrages vom 23. Juni).

Neues Mitglied: Dr. phil. O. Mensendieck, Dolderstraße 93, Zürich V.
Adressenveränderungen:
Dr. phil. L. Hopf, Sokolstr. 54, II., Prag. –
Dr. F. Riklin, Consultationen: Neumünsterstr. 32, Zürich V., Wohnung: Küsnacht bei Zürich. –
Dr. W. Stockmayer, Kuranstalt Bellevue, Kreuzlingen bei Konstanz. –
Dr. L. Seif tritt als Vorsitzender in die Ortsgruppe München über.

Verschiedenes:
In den vom Verein schweiz. Mittelschullehrer organisierten Ferienkursen in Zürich, wird Dr. Riklin im Oktober vier Vorträge über Psychoanalyse halten.
Am „Premier Congrès International de Pédologie“ in Brüssel (beginnend 12. Aug.) spricht Dr. Jung, von der Kongreßleitung aufgefordert, über „Psychoanalyse beim Kinde“.

CB / VI / 1911 / 5

II. Literatur.

Als 11. Heft der Schriften zur angewandten Seelenkunde ist eine Studie übe  „Giovanni Segantini“ von Dr. Karl Abraham in Berlin erschienen.
Vom Zentralblatt für Psychoanalyse ist Heft 7/8 erschienen. Mitte Juni erschien im Verlage von Franz Deuticke in Wien, die dritte, wesentlich vermehrte Auflage von Freuds „Traumdeutung“.
Auch die kleine Broschüre Freuds über den Traum (Löwenfelds Grenzfragensammlung, Bergmann Wiesbaden) ist in zweiter, um einen Abschnitt über die Traumsymbolik vermehrter Auflage erschienen.
Dr. Wilhelm Stekel: Berufswahl und Kriminalität (Groß’sches Archiv für Kriminalantropol. 1911).
Dr. Wilhelm Stekel: Die Verpflichtung des Namens (Molls Zeitschrift für Psychotherapie, Mai 1911).

III. Psychoanalytischer Kongress in Weimar

21. bis 22. September 1911.
Die diesjährige Zusammenkunft der
Internationalen psychoanalytischen Vereinigung
findet statt am 21. und 22. September in Weimar.

Vorläufiges Programm.
21. September, Vormittags 8 Uhr: Beginn der Verhandlungen.
Allgemeine Traktanden sind:
1. Bericht über das Vereinsjahr.
2. Die Frage des Anschlusses des Korrespondenzblattes an das Zentralblatt für Psychoanalyse.
3. Die Organisation der I. Ps. V. in Amerika.
12 Uhr: Gemeinsames Mittagessen im „Hotel Erbprinz“.
Nachmittags: Verhandlungen.

22. September, Vormittags 8 Uhr: Beginn der Verhandlungen.
Unterkunft findet sich in erster Linie im „Hotel Erbprinz“ und im „Hotel Elefant“. Für Unterkunft wende man sich bis spätestens 7. Sept. an Herrn Dr. K. Abraham, Rankestraße 24, Berlin W.
Es wird höflichst gebeten um Anmeldung von Vorträgen, deren Dauer man auf 20–30 Minuten beschränken wolle. Die Anmeldungen können bis zum 7. September bei der Centralleitung eingereicht werden.

Bearbeitung: Christine Diercks, 30.8.2010