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Ausbildungsordnung und Curriculum des Wiener Arbeitskreises für Psychoanalyse - WAP

Wiener Arbeitskreis für Psychoanalyse (WAP) - Provisional Society in der IPA

1. Ziel der psychoanalytischen Ausbildung

Ziel der psychoanalytischen Ausbildung ist es, zukünftige PsychoanalytikerInnen den psychoanalytischen Prozess erleben zu lassen, mit der psychoanalytischen Theorie vertraut zu machen und sie durch begleitende Supervision auf ihre Tätigkeit als PsychoanalytikerInnen vorzubereiten.
Der Abschluss der Ausbildung qualifiziert zur selbständigen Arbeit als PsychoanalytikerIn und ist Voraussetzung für das Ansuchen um die gesetzliche Anerkennung.

2. Zulassung

2.1. Zulassungsbedingungen
Zur psychoanalytischen Ausbildung im Wiener Arbeitskreis für Psychoanalyse (WAP) als Fachspezifikum im Sinne des Psychotherapiegesetzes - d.h. mit anschließender Eintragung in die österreichische Psychotherapeutenliste und Berechtigung zur Ausübung von Psychoanalyse und psychoanalytischer Psychotherapie in Österreich - kann zugelassen werden, wer eigenberechtigt ist, das 24. Lebensjahr vollendet hat, das psychotherapeutische Propädeutikum erfolgreich absolviert hat und die weiteren in § 10 Ab.2 Z 5 bis 9 des österreichischen Psychotherapiegesetzes genannten Zulassungsbedingungen erfüllt. Berufserfahrung ist erwünscht.
Als günstige Motivation für diese Berufswahl wird die Bereitschaft angesehen, eine Empfindsamkeit für das subjektive Leiden der Menschen mit einer aktiven Haltung bei der Erforschung von dessen unbewussten Ursachen zu verbinden.

2.2. Zulassungsverfahren
Der Bewerbung für die Ausbildung geht eine mindestens 1 Jahr dauernde Eigenanalyse voraus. Das Erleben dieser Analyse soll für die Bewerbung zentrale Bedeutung haben.
Die schriftliche Bewerbung um Zulassung zur Ausbildung ist an die Ausbildungskommission zu richten, ein Lebenslauf und eine Begründung der persönlichen Motivation ist der Bewerbung in 6-facher Ausfertigung beizulegen. Nach Absolvierung von insgesamt vier Vorstellungsgesprächen bei der Leiterin/dem Leiter und 3 Mitgliedern der Ausbildungskommission entscheidet diese über die Zulassung zur Ausbildung.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind im Ausbildungsvertrag festgelegt.
Mit der Unterzeichnung des Ausbildungsvertrages ist die Ausbildungsbewerberin/der -bewerber Kandidatin/Kandidat des WAP. Die persönliche Analyse gilt als Lehranalyse, sie kann nicht mit der Krankenkasse verrechnet werden.

3. Verlauf der Ausbildung

Die psychoanalytische Ausbildung umfasst:

  • eine mehrjährige persönliche Analyse mit einer Frequenz von mindestens vier Wochenstunden
  • die Teilnahme an den vorgeschriebenen Theorieseminaren und wissenschaftlichen Veranstaltungen des Vereines
  • ein Praktikum an einer geeigneten Einrichtung gem. §6 Abs.2 Z.2 und 3 des Psychotherapiegesetzes
  • die Durchführung von Psychoanalysen und niederfrequenten psychoanalytischen Behandlungen mit begleitender Supervision
  • schriftliche und mündliche Fallpräsentation

Wir weisen darauf hin, dass 300 Stunden Lehranalyse und die im Psychotherapiegesetz vorgeschriebene Stundenanzahl für einzelne Ausbildungsschritte: 120 Stunden für Kontrollanalysen und Supervisionen von 600 Stunden eigenständiger therapeutischer Tätigkeit sowie 550 Stunden Praktikum, gemäß § 6 Abs.2 Z. 2 – als Mindestanforderungen an die KandidatInnen des Wiener Arbeitskreises für Psychoanalyse zu verstehen sind.

3.1. Lehranalyse

Das Hauptkriterium für eine erfolgreiche Tätigkeit als PsychoanalytikerIn besteht im persönlichen Erleben der therapeutischen Wirksamkeit der psychoanalytischen Methode.
Die Lehranalyse ist bei einem dafür beauftragten Analytiker/ einer dafür beauftragten Analytikerin des WAP durchzuführen. Die Lehranalyse muss mit einer Frequenz von mindestens vier Wochenstunden geführt werden. Analyse-Inhalte sind grundsätzlich kein Gegenstand von Beratungen der Ausbildungskommission. Eine Beendigung der Lehranalyse vor der 300. Stunde muss von der Psychoanalytikerin/ dem Psychoanalytiker als vorzeitige Beendigung unter Angabe der durchgeführten Stundenanzahl an die AUKO gemeldet werden. Für Konfliktfälle ist die Ausbildungskommission, als nächste Instanz der Ethik-Ausschuss des WAP zuständig.

3.2. Theoretisch-wissenschaftliche Ausbildung

Die Grundlage der theoretischen Ausbildung bilden die Werke von Sigmund Freud.
Die Stundenanzahl der Pflichtseminare beträgt 300.

Die Wahlseminare stehen allen KandidatInnen offen und sollen ein weitererführendes Studium der psychoanalytischen Literatur, die Auseinandersetzung mit klinisch-theoretischen Fragestellungen und mit den klinischen Anwendungsmöglichkeiten der Psychoanalyse ermöglichen. Für die Vollmitgliedschaft im WAP ist der Nachweis von 80 Wahlseminar-Einheiten erforderlich.

Verpflichtend ist die regelmäßige Teilnahme an folgenden Seminaren, deren Reihenfolge und Stundenanzahl verbindlich ist:

  • Freuds Schriften 70 Einheiten
  • Psychoanalytische Entwicklungslehre 30 Einheiten
  • Psychoanalytische Krankheitslehre (Neurosen, Psychosen, Persönlichkeitsstörungen) 50 Einheiten
  • Technik der Psychoanalyse 70 Einheiten
  • Technik der Psychoanalytischen Psychotherapie 20 Einheiten

Parallel zu den theoretischen Seminaren sind folgende klinisch-theoretische Seminare verpflichtend:

  • Erstgesprächsseminar (20 Einheiten)
  • Falldarstellungsseminar (20 Einheiten)
  • Diagnostikseminar (20 Einheiten)

Eine Seminareinheit beträgt 45 Minuten. Die theoretischen Seminare finden wöchentlich statt, die klinisch-theoretischen Seminare können auch als Blockveranstaltungen durchgeführt werden. Die Pflichtseminare können in 6 Semestern absolviert werden.

Die Arbeit der TeilnehmerInnen in den Seminaren wird von den SeminarleiterInnen evaluiert und schriftlich dokumentiert. In Zweifelsfällen erfolgt die Zulassung zu den weiterführenden Seminaren in Absprache mit der Ausbildungskommission.

 

 

3.3. Klinische Ausbildung
3.3.1 Zulassungskolloquium
Nach Absolvierung des Erstgesprächs-Seminars kann das Zulassungskolloquium abgelegt werden, um den Status “PsychotherapeutIn in Ausbildung unter Supervision“ zu erlangen. In diesem Kolloquium wird ein 2-4 Sitzungen umfassendes Beratungs- oder Erstgespräch schriftlich und mündlich im Beisein eines Mitgliedes der AUKO vorgestellt.
Dieses Kolloquium kann im Rahmen des Falldarstellungsseminars oder des Beratungsstellen- Teams absolviert werden.
Zum Zeitpunkt des Zulassungskolloquiums sollte ein Großteil des fachspezifischen Praktikums absolviert sein.

3.3.2 Praktikum im psychotherapeutisch – psychosozialen Feld
Es ist ein Praktikum in einer vom Bundesministerium anerkannten Einrichtung des Gesundheits- und Sozialwesens in der Dauer von mindestens 550 Stunden, davon 150 Stunden innerhalb eines Jahres in einer fachspezifischen Einrichtung, zu absolvieren, dazu eine begleitende Praktikumssupervision von zumindest 30 Stunden bei einem Lehranalytiker/ einer Lehranalytikerin oder einem delegierten Mitglied des WAP.

Die Beratungsstelle des WAP ist als Praktikumseinrichtung, in welcher 550 Praktikumsstunden für das Fachspezifikum absolviert werden können, vom Bundesministerium anerkannt.
Ab dem Eintritt in die theoretische Ausbildung wird die Mitarbeit in der Beratungsstelle des WAP empfohlen. Sie bietet KandidatInnen von Beginn der Ausbildung an die Möglichkeit, praktische Erfahrungen zu sammeln und diese in wöchentlichen Team-Supervisionen einer psychoanalytischen Reflexion zu unterziehen.

3.3.3 Kontrollanalysen und psychoanalytische Psychotherapien unter Supervision
Die erforderlichen zwei Kontrollanalysen sollen bei verschiedenen LehranalytikerInnen supervidiert werden. Die Indikation für eine Psychoanalyse ist mit den jeweiligen KontrollanalytikerInnen bereits vor Analysenbeginn zu besprechen. Jede Kontrollanalyse muss mit einer Sitzung/Woche supervidiert werden.
Psychoanalytische Psychotherapien sind ebenfalls in wöchentlichen Sitzungen bei einer Lehranalytikerin/einem Lehranalytiker des WAP zu supervidieren.

3.4. Abschluss der Ausbildung
Er berechtigt zur Eintragung in die Psychotherapeutenliste des BM.
Es sind zwei 4-stündige Kontrollfälle (mind. je 60 Supervisionsstunden) sowie einer supervidierten Psychoanalytischen Psychotherapie (30 SV-Stunden) nachzuweisen. Es kann auch eine 4-stündige Psychoanalyse über 80 SV-Stunden, sowie eine weitere Psychoanalyse (40 SV-Stunden), die im zu begründenden Einzelfall 3-stündig sein kann, angerechnet werden.

In der abschließenden Fall-Präsentation soll eine 4-stündige Analyse in schriftlicher Form vorgelegt und mit einem Gremium von LehranalytikerInnen diskutiert werden. Die KontrollanalytikerInnen nehmen ihrerseits zur gemeinsamen Supervisionsarbeit schriftlich Stellung.


4. Mitgliedschaft

4.1. „Assoziierte Mitgliedschaft“ im WAP und in der IPA
Nach der positiven Beurteilung der schriftlichen und mündlichen Fallpräsentationen bestätigt die Ausbildungskommission den Abschluss der Ausbildung mit einem Zertifikat. Dieses ermöglicht die Eintragung in die Psychotherapeutenliste. Mit dem Ausbildungsabschluss erlangt die Kandidatin/der Kandidat auch die „assoziierte Mitgliedschaft“ im WAP sowie in der IPA.

KandidatInnen, welche ihre Lehranalyse bzw. ihre Kontrollfälle bei Nicht-IPA-LehranalytikerInnen absolviert haben, können die Mitgliedschaft in der IPA durch eine Evaluierung erlangen.
 
4.2. Ordentliche Mitgliedschaft im WAP und in der IPA
Die Ordentliche Mitgliedschaft wird erlangt mit einem wissenschaftlichen Abschlussvortrag im Allgemeinen Seminar, mit welchem die BewerberInnen den Nachweis erbringen, dass sie ein theoretisches psychoanalytisches Thema bearbeiten können.
Die Zulassung zum Abschlussvortrag erfolgt durch die Ausbildungskommission.
Für die ordentliche Mitgliedschaft sind zwei 4-stündig geführte Analysen über je 300 Stunden mindestens nachzuweisen.

5. Ausschluss von der Ausbildung

Der Ausschluss von der Ausbildung kann aus folgenden Gründen erfolgen:
Nicht – Erreichen der geforderten theoretischen und praktischen psychoanalytischen Ausbildungsanforderungen
Nicht – Wiederaufnahme der Lehranalyse nach Unterbrechung oder Abbruch
Schwere Verstöße gegen ethisch – psychotherapeutische Grundhaltungen
Nichtbezahlen des KandidatInnen-Beitrages trotz Mahnung über zwei Jahre

Der Ausschluss von der Ausbildung wird nach Rücksprache mit der Ausbildungskommission vom Vorstand beschlossen. Die Kandidatin/der Kandidat kann bei einem Schiedsgericht des Vereins Berufung einlegen; es gilt der Spruch des Schiedsgerichts.

6. Lehrfunktionen

6.1. Status „Mitglied mit Lehrbefugnis“
Mitglieder des Arbeitskreises mit didaktischen Fähigkeiten und theoretischem Interesse können über einen Antrag an die AUKO zu Mitgliedern mit Lehrbefugnis ernannt werden. Voraussetzung dafür ist eine mindestens 5-jährige ordentliche Mitgliedschaft im WAP, die
aktive Teilnahme am wissenschaftlichen Leben des Vereins und der Nachweis von wissenschaftlicher Tätigkeit (mindestens 2 wissenschaftliche Vorträge im Verein und
1 Publikation).
Mitglieder mit Lehrbefugnis sind berechtigt, Pflicht- und Wahlseminare zu leiten und Praktikumssupervisionen durchzuführen.
Das Ansuchen um den Status „Mitglied mit Lehrbefugnis“ ist schriftlich unter Beifügung der Vortrags –und Publikationsnachweise an alle Mitglieder der AUKO zu senden. Die Ernennung erfolgt in der AUKO-Sitzung.

6.2. LehranalytikerIn
Mitglieder können entweder selbst einen Antrag auf Zuerkennung des LehranalytikerInnen-Status stellen oder von der AUKO dazu eingeladen werden. Bewerbungen um den Status müssen zu Beginn des Verfahrens den WAP-Mitgliedern bekannt gegeben werden. Eventuelle Einwände gegen die Bewerbung sind an die Ausbildungskommission zu richten und von dieser zu bearbeiten.

Voraussetzungen: 5-jährige psychoanalytische Praxis, Nachweis einer kontinuierlichen Fortbildung: laufende Diskussion der eigenen psychoanalytischen Arbeit mit einer/einem LehranalytikerIn, Teilnahme an einer Supervisionsgruppe über ein Jahr. Wissenschaftliche Aktivität und Engagement in der IPA werden vorausgesetzt.
Die Zuerkennung des LehranalytikerInnenstatus wird durch die ausführliche Darstellung eines abgeschlossenen Behandlungsfalles vor einem Gremium erlangt. Die Falldarstellung ist vorher schriftlich bei der AUKO einzureichen.

LehranalytikerInnen sind berechtigt zur Durchführung von Lehranalysen und zur Supervision von Praktika und Psychoanalytischen Psychotherapien.

Die regelmäßige Teilnahme am Lehrbetrieb sowie der Nachweis beider Lehrbefugnisse ist Voraussetzung für das Führen von Kontrollanalysen und für das passive Wahlrecht in die AUKO.

7. Gültigkeit des Curriculums

 

Das Curriculum gilt nach Beschluss durch die Generalversammlung am 23. 02. 2010
für alle neu beginnenden Ausbildungslehrgänge.

Anhang

Durchführungsbestimmungen

3.2.3 Zulassungskolloquium

Ein Beratungs- oder Erstgespräch über 2-4 Stunden wird schriftlich und mündlich im Beisein eines Mitgliedes der Ausbildungskommission vorgestellt. Es soll die Vorgeschichte dargestellt als auch anhand eines Gesprächsprotokolls die Dynamik des unbewussten Prozesses diskutiert werden.

3.3. Der Abschluss der Ausbildung

Die schriftliche Fallpräsentation soll 18.000-20.000 Zeichen (incl. Leerzeichen) und zusätzlich 2 Stundenprotokolle umfassen.

Das Gremium besteht aus je einem Mitglied der AUKO, des Vorstandes, einer Lehranalytikerin/einem Lehranalytiker nach Wahl der Bewerberin/ des Bewerbers sowie 2 weiteren LehranalytikerInnen, die keine Ausbildungsfunktion (Lehr- oder KontrollanalytikerIn) für die Bewerberin/den Bewerber hatten.

4.0. IPA- Evaluierung

Die IPA-Evaluierung erfolgt mittels Präsentation einer 4-stündigen Analyse (s. Pkt.3.3) 1 Jahr nach Abschluss der Ausbildung oder zu einem früheren Zeitpunkt, sofern der Nachweis von mindestens 300 Stunden 4-stündiger Analyse gegeben ist.

Das Evaluierungskomitee setzt sich zusammen aus der Leiterin/dem Leiter von Vorstand und AUKO sowie einem weiteren Lehrbefugten, der durch die AUKO bestimmt wird.

6.0. LehranalytikerInnenstatus

Das Gremium zur Evaluierung von LehranalytikerInnen setzt sich aus neun Mitgliedern des WAP zusammen: den Leitungspersonen von Vorstand und AUKO, die je 2 weitere Gremiumsmitglieder bestimmen, drei werden von der Bewerberin/vom Bewerber bestimmt Dieses Gremium entscheidet mit Zweidrittel-Mehrheit über die Bestellung.

 

Redaktion BH, 10.9.2010